JUVE: Der geplante Zusammenschluss mit der kalifornischen Sozietät Orrick Herrington & Sutcliffe scheiterte Anfang 2007 doch noch, weil es auch kanzleiintern Vorbehalte gab. Wo liegt jetzt bei der Fusion mit LeBoeuf der Unterschied?
Berger: Die Übereinstimmung und der künftige Mehrwert in den für eine Fusion wesentlichsten Punkten ist bei den beiden New Yorker Kanzleien Dewey Ballantine und LeBoeuf deutlich höher. Dies gilt sowohl für das Managementsystem als auch die Profitabilität und Geschäftssynergien. Beide setzen stärker auf eine weitgehende Eigenverantwortung der einzelnen Standorte als Orrick. Dazu profitiert Dewey von LeBoeufs Stärke in Europa, vor allem in London und Paris ist die Kanzlei sehr profitabel. Im gemeinsamen Geschäft ergänzen insbesondere die LeBoeuf-Schwerpunkte im Energie -und Versicherungsrecht die bank- und steuerrechtlich geprägte Dewey-Einheit sehr gut.
JUVE: Welche strategischen Veränderungen ergeben sich für die deutsche Praxis?
Berger: Nach den USA und Großbritannien haben wir Deutschland als drittwichtigsten Markt für Dewey & LeBoeuf identifiziert. Damit rückt Deutschland noch stärker ins Zentrum unserer Bemühungen. Vor allem der Verbindung Frankfurt-London-Paris kommt künftig große Bedeutung zu. Mit einem eigens eingerichteten European Supervisory Committee gehen wir insbesonders den Ausbau des internationalen Cross-Sellings zwischen unseren Standorten zielgerichtet an. In Frankfurt wird die Stärkung der Corporate-Arbeit und auch der Aufbau von Litigation ganz oben auf der Agenda stehen. Unser Angebot wollen wir mit der größeren Einheit im Rücken noch weiter diversifizieren und mittelfristig anwaltlichen „Fullservice“ anstreben.
JUVE: Macht vor diesem Hintergrund die Eröffnung weiterer Büros in Deutschland Sinn?
Berger: Ja, dies ist geplant. Insbesondere Hamburg und München sind schon kurz – bis mittelfristig für uns interessant. Damit machen wir auch unsere Strategie noch klarer, den Markt hierzulande als eigenständige deutsche Praxis zu bedienen. Wir werden anders als eine Reihe anderer Büros von US-Kanzleien nicht eine bloße Dependance des Heimatmarktes sein.
JUVE: Wie wollen Sie die hierzulande bislang unauffällige Corporate-Arbeit in Schwung bringen?
Berger: Kurzfristig soll dies in erster Linie über Quereinsteiger geschehen. Bereits auf Jahresfrist wollen wir uns mit zwei bis drei Partnern verstärken. Durch die Fusion sind wir auf einen Schlag deutlich attraktiver für Seiteneinsteiger geworden. Denn unsere Corporate-Praxis hat in London und Paris mit dem Zusammenschluss einen echten Quantensprung gemacht. Der Ausbau der Cross-Sellings wird ein übriges tun.
Das Gespräch führte René Bender.