Der GfA ist ein kollegiales Gremium, hier gewinnt immer das bessere Argument. Auch bei wechselnder personeller Besetzung des Gremiums haben wir uns über die Jahre stets an die Regel gehalten, dass Managemententscheidungen immer nur einstimmig ergehen. Tatsächlich haben wir jüngst aber intern eine Diskussion darüber begonnen, unsere Managementstrukturen weiter zu verschlanken und gegebenenfalls auf eine zweiköpfige Spitze zuzuschneiden. Diese Idee muss aber noch mit allen Vor- und Nachteilen weiter ventiliert werden. Zur Zeit hat sie noch nicht die erforderliche Mehrheit in der Kanzlei.
Marktbeobachter meinen immer wieder, bei Görg zwei unterschiedliche Kulturen in den beiden starken Büros Berlin und Köln zu beobachten.
Ich würde nicht sagen, dass es verschiedene Kulturen gibt: Wir teilen dieselben Werte und dasselbe Selbstverständnis. Aber die Büros haben eine unterschiedliche Geschichte. Während Köln vom ersten Tag an mit 13 Gründungspartnern und einer egalitären Partnerstruktur in den Markt gehen konnte, hat Berlin in einem sehr schwierigen Marktumfeld erst einmal tragfähige Strukturen von Null an aufbauen müssen. Solche Erfahrungen bedingen dann auch unterschiedliche Auffassungen von Wachstum. Berlin war lange durch externes Wachstum geprägt, während Köln nicht unter so großem Wachstumsdruck stand und eher intern wachsen konnte.
Frankfurt hat sich in diesem Jahr verstärkt – gilt aber immer noch als schwacher Standort. Wie wollen sie attraktiv für Quereinsteiger sein?
Wir sind eine nationale Kanzlei mit einer starken partnergetriebenen Selbstverwaltung, was uns attraktiv macht – oft auch für Kollegen, die schon ihre Erfahrungen in internationalen Kanzleien gesammelt haben. Gerade in Frankfurt haben wir mit Lutz Horn und seinem gesamten Team ja schon einen veritablen Zugang, der auch der Gesamtsozietät wichtige Impulse gibt.
Wird sich Görg mit der Eröffnung des Münchner Standorts nicht noch eine zusätzliche „Baustelle“ schaffen?
Wir haben in München ja bereits Mandanten und gutes Geschäft. Aber wir gehen sicherlich München anders an als Frankfurt – insofern haben wir wohl auch aus Versäumnissen gelernt. Wir werden dort mit vier Partnern, teils aus anderen Standorten vertreten sein. Richtig ist, dass der neue Standort am Anfang sicherlich einige Management-Kapazitäten binden wird. Aber wenn wir langfristig als Kanzlei in Deutschland ganz vorne mitspielen wollen, müssen wir in München vertreten sein – schon mit Blick auf unsere internationale Mandantschaft vor Ort.
Das Gespräch führte Ulrike Barth.