JUVE: Sie haben sich vor einigen Jahren komplett aus der originären IP-Beratung zurückgezogen. Woher kommt nun diese 180-Grad-Wende?
Rupert Bellinghausen: Das ist keine 180-Grad-Wende, denn Patentverletzungsverfahren waren nie wirklich Teil unserer früheren IP-Praxis. Diese bestand vor allem aus Wettbewerbs- und Markenrecht. Was wir jetzt angehen, ist ein ganz anderer Bereich.
Inwiefern?
Mit Frau Schönbohm greifen wir den Trend auf, dass der Streit um Patente immer internationaler wird. Heute werden hier gigantische, für Unternehmen teils existenzbedrohende Verfahren geführt, die in aller Regel nur noch grenzüberschreitend gelöst werden können. Das passt zu Linklaters.
Diese Erkenntnis ist allerdings nicht ganz neu.
Das stimmt. Der Partnerschaft ist auch schon seit einiger Zeit klar, dass wir im Bereich Patent-Litigation in Deutschland etwas aufbauen müssen. Für eine umfassende Betreuung im streitigen Bereich bedarf es Kapazitäten am wichtigen Schiedsstandort in Paris, dem international führenden Gerichtsstandort London und eben in Deutschland, dem vielleicht wichtigsten Land für internationale Patentstreitigkeiten. Die Nachfrage insbesondere von Chinesen und Amerikanern ist hoch, wir wollen sie in Deutschland nicht länger zu anderen Kanzleien schicken.
Frau Schönbohm wird also zum Einstieg sofort eine Reihe von Mandanten vorfinden?
In der Tat, das Geschäft ist schon da! Nachdem bekannt wurde, dass Frau Schönbohm zu uns stößt, hat das eine oder andere Unternehmen uns zu verstehen gegeben, dass wir praktisch sofort mandatiert würden. Frau Schönbohm ist sehr angesehen, wir haben die richtigen Mandanten, zudem wird sie eigene mitbringen. Ich mache mir über den geschäftlichen Erfolg keine Sorgen.
Wettbewerber meinen, Patentrecht werde bei Linklaters vor allem M&A-Support werden.
Das spielt eindeutig eine untergeordnete Rolle. Es stehen ganz klar Patentverletzungsverfahren im Mittelpunkt. Das Patentrecht wird ja auch organisatorisch Teil der Dispute-Resolution-Praxis, sonst hätten wir es unter Corporate/M&A aufgehängt.
Wie wird der Bereich personell bei Ihnen aufgestellt sein.
Wir werden wohl nicht sofort einen weiteren Partner holen oder aus eigenen Reihen machen. Das Geschäft hat aber längerfristig Wachstumsperspektiven. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich um Frau Schönbohm schnell ein Team bilden wird.
Das Gespräch führte Jörn Poppelbaum.