JUVE: Aktuell haben Sie rund 100 Anwälte mehr als im Jahr 2005 zu managen. Wie hat sich die Kanzlei darauf eingestellt?
Obermann: Einerseits haben wir Anfang des Jahres den Managementausschuss von drei auf fünf Partner vergrößert. Da alle Mitglieder dieses Gremiums mindestens zu mehr als 50 Prozent operativ tätig sind und dies auch sein sollen, war diese Verbreiterung nötig.
Zum anderen haben wir uns auf den Feldern Bilanzen/Controlling, Human Resources, IT und Marketing personell weiter verstärkt, was wir jetzt auch im Bereich Business Development tun wollen. Wir haben, glaube ich, weitere Mosaiksteine hinzugefügt, um die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortsetzen zu können.
JUVE: Neben dem Managementausschuss und der Partnerversammlung gibt es bei Beiten Burkhardt auch den Partnerausschuss. Wie setzt er sich zusammen und welche Funktion hat dieses Gremium?
Obermann: Dem Partnerausschuss gehören die Leiter aller Praxisgruppen und die Leiter der deutschen Standorte an. Das sind zurzeit elf Partner, die alle in ihrer jeweiligen Funktion von der Partnerschaft gewählt sind und in ihrer Gesamtheit ein repräsentatives Gremium der Kanzlei darstellen. Wegen der überschaubaren Größe sind substanzielle Dialoge und Diskussionen sehr gut möglich.
JUVE: Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Managing Partner?
Obermann: Eine autoritäre Ansage von seiten des Managements, z. B. dahingehend, wie welche Mandate in der Kanzlei von welchem Anwalt zu akquirieren und oder zu bearbeiten sind, ist nicht das, was wir wollen. Unsere Partner müssen und wollen die Freiheit und den Gestaltungsspielraum haben, den sie brauchen, um unternehmerisch erfolgreich arbeiten zu können. Man braucht gleichwohl Strukturen, die dafür sorgen, dass das Miteinander funktioniert. Neben dem Managementausschuss, der sich um das Tagesgeschäft kümmert, gibt es für „übergeordnete“ Themen den bereits erwähnten Partnerausschuss und natürlich die Partnerversammlung. Aber auch unserem hochgehaltenen Grundsatz der Spezialisierung („Jeder macht nur das, was er kann“) kommt insoweit strukturelle Bedeutung zu.
JUVE: Widersprechen die Schließungen der Büros in Köln und Leipzig nicht diesem freiheitlichen Ansatz?
Obermann: Das widerspricht dem überhaupt nicht. Die Schließungen sind ja nicht von oben herab verfügt worden. Über die beiden Standorte nachzudenken, gerade auch aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen, kam aus der Partnerschaft heraus. Das haben wir aufgegriffen und in vielen Gesprächen eine Entscheidung in der Kanzlei vorbereitet, die von allen Partnern gewollt und getragen wurde.
Das Gespräch führte Markus Lembeck.