JUVE spricht mit…Peter Solmssen von Siemens

Kaum ein Thema hat im zu Ende gehenden Jahr die juristische Szene so sehr beschäftigt wie die Vorgänge rund um die Münchner Siemens AG. Monatelang lieferte die Korruptionsaffäre täglich neue Schlagzeilen und bis heute dauert der Umbau des Konzerns - vorangetrieben vom neuen Vorstandsvorsitzenden - an. Die Fernwirkung dieses Skandals ist enorm, wird doch seitdem auf allen Ebenen verstärkt über das Thema Compliance diskutiert. Seit Oktober gibt es bei Siemens nun auch einen Vorstand für Recht und Compliance – ein schwieriger Posten, steckt der Konzern doch nach wie vor tief in der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre.

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Der US-Amerikaner Peter Solmssen (52), zuvor General Counsel von GE Healthcare in London (JUVE 11/07), stellt sich der Herausforderung, diesem neu geschaffene Zentralressort ein Gesicht und Profil zu geben.

JUVE: Herr Solmssen, hatten Sie als Neu-Münchner Anfang Oktober noch Zeit, die Wies’n zu besuchen?

Solmssen: Die Wies’n habe ich in diesem Jahr noch nicht besucht. In München fühle ich mich aber sehr wohl. Der erste Eindruck von den Mitarbeitern und dem Unternehmen bestätigt sich immer wieder: Ich bin sehr freundlich empfangen worden und habe eine motivierte und begeisterungsfähige Mannschaft vorgefunden.

JUVE: Was hat Sie bewogen, zu Siemens zu gehen?

Solmssen: Siemens ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik mit tollen Produkten und Lösungen sowie einer langen, traditionsreichen Geschichte. All dies steht derzeit leider im Schatten der Korruptionsaffären des Unternehmens. Ich bin mir aber sicher, dass wir diese Herausforderungen meistern werden.

JUVE: Wie definieren Sie Ihre Position, die Konfliktpotenzial dadurch birgt, dass Sie zugleich Teil eines Organs und dessen Berater sind?

@Solmssen:Ich sehe hier keinen Konflikt. Mit der organisatorischen Bündelung einer weltweit einheitlichen und durchgängigen Gestaltung auf den Gebieten Recht und Compliance entsprechen wir in dieser Zentralfunktion unserem Ziel, den Konzern transparenter zu machen und seine Komplexität zu reduzieren. In einer durchgestochenen Berichtslinie bis hin zum Vorstand müssen wir nachhaltige und saubere Geschäfte sicherstellen.

JUVE: Welche Aufgaben stehen ganz oben auf Ihrer Agenda?

Solmssen: Compliance ist eine große Herausforderung für uns. Wir haben als Reaktion auf die Korruptionsvorwürfe eine Reihe von wesentlichen Schritten unternommen, um unsere Compliance-Verfahren und internen Kontrollen zu verbessern. Parallel arbeiten wir mit Hochdruck daran, alle Vorfälle ohne Ansehen der Person aufzuklären und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

JUVE: Was ist aus Ihrer Sicht nötig, diese effektiv zu erledigen?

Solmssen: Eindeutige Berichtsstrukturen und die klare Definition von Verantwortlichkeiten.

Das Gespräch führte Astrid Jatzkowski.

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