Kapitaler Fehler

Autor/en
  • Aled Griffiths

Erst Clifford Chance, jetzt Lovells. Dass sich zwei der führenden europäischen Kanzleien aus Berlin zurückgezogen haben, hat das jeweilige Kanzlei-Management als Reaktion auf die ungenügende Dynamik des Hauptstadt-Marktes dargestellt. Es wirkte zunächst fatalistisch beziehungsweise passiv, als sich Lovells nach dem Verlust des Bankrechtlers Dr. Thomas Lindemann plus Team (JUVE 06/06) aus Berlin verabschiedete. Aber der Rückzug bedeutet mehr – er ist eine aktive, strategische Aussage über die Rolle, die Lovells in Zukunft spielen wird. Denn es ist nicht nur der Markt, der problematisch ist: Wenn Kanzleien in Berlin aufgeben, deutet dies eher darauf hin, dass in der Vergangenheit strategische Fehler begangen wurden.

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Es gibt genug Beispiele für erfolgreiche Bürokonzepte in Berlin – das von White & Case etwa, die sich sogar eher verstärkt, weil der Standort für Corporate-Anwälte interessant ist. Die Lovells-Führungsriege weist nun zu Recht daraufhin, dass der Aufbau einer Berlin-typischen Medienpraxis (wie bei Nörr Stiefenhofer Lutz) oder einer regulatorischen Praxis (wie bei Freshfields Bruckhaus Deringer) davon abhängt, ob Partner aus anderen Büros dorthin umsiedeln wollen. So ist der Rückzug aus der Hauptstadt der größten europäischen Volkswirtschaft vielleicht noch verständlich.

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