Kompromiss

Conti-Chef geht, Allen & Overy-Partner Koerfer als Chefaufseher auch

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  • JUVE

Rolf Koerfer, Allen & Overy-Partner und umstrittener Aufsichtsratschef des Automobilzuliefers Continental gibt sein Amt als Chefaufseher des Konzerns mittelfristig ab, sobald die Neuordnung des Vorstands abgeschlossen ist.Mit Koerfer, der jedoch einfaches Mitglied des Aufsichtsrats bleibt, wird auch der Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann abgelöst. Neumann wird nach Marktinformationen arbeitsrechtlich von dem Frankfurter Greenfort-Partner Dr. Mark Lembke beraten.

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Auf Neumann folgt bereits kurzfristig Elmar Degenhart, bislang Manager der Schaeffler-Gruppe. Koerfers Nacholger ist dagegen noch nicht bekannt. Die Ablösungen des Schaeffler-Vertrauten Koerfers und Neumanns sind Teil eines grundlegenden Umbaus an der Unternehmensspitze des Conti-Konzerns, um den Machtkampf zwischen dem Automobilzulieferer und seinem Großaktionär Schaeffler zu beenden. Die beiden Personalentscheidungen sind das Ergebnis der heutigen Conti-Aufsichtsratssitzung, nachdem der Streit zwischen den beiden angeschlagenen und hoch verschuldeten Unternehmen in den vergangenen Wochen eskaliert war.

Sie gelten als Kompromiss, um beide Seiten einander wieder näherzubringen und ein angestrebtes Zusammengehen der Unternehmen voranzutreiben. Conti hatte Koerfer vorgeworfen, nicht unabhängig zum Wohle des Unternehmens zu entscheiden, sondern die Interessen Schaefflers durchsetzen zu wollen. Schaeffler lastete Neumann dagegen an, interne Konflikte um eine Kapitalerhöhung und die Geschäftspolitik öffentlich gemacht zu haben.

Schaeffler hatte darauf in einer Conti-Aufsichtsratssitzung Ende Juli für einen Eklat gesorgt, als der Konzern überraschend versuchte, Neumann sofort abzulösen, damit aber scheiterte. Die nötige Zweidrittel-Mehrheit kam nicht zustande, weil die Arbeitnehmervertreter einen Sturz Neumanns verhinderten.

Kurz darauf hatte sich Altkanzler Gerhard Schröder in den Machtkampf eingeschaltet und rechtlich prüfen lassen, ob Schaeffler mit ihrem Vorgehen in der Aufsichtsratssitzung gegen eine Investorenvereinbarung mit Conti verstoßen hat. Schröder fungiert als Garant der Investorenvereinbarung. Dabei ist er zur Wahrung der Interessen von Continental berechtigt, die Erfüllung von Verpflichtungen der Schaeffler-Gruppe jederzeit geltend zu machen.

Für die Prüfung mandatierte Schröder den renommierten Münchner Steuer- und Transaktionsrechtler Prof. Dr. Reinhard Pöllath. Pöllath, Gründer und Namenspartner der Sozietät P+P Pöllath + Partners ist einer der angesehensten deutschen Wirtschaftsanwälte und verfügt über eine Erfahrung als strategischer Berater wie nur wenige Juristen hierzulande.

Zugleich gilt er auch als hervorragender Schlichter, so gelang es ihm 2002 die zerstrittenen Familien Herz im Streit um das Tchibo-Erbe zu befrieden. Aktuell ist Pöllath Aufsichtsratsvorsitzender der Maxingvest AG (früher Tchibo Holding), der hinter Tchibo und Beiersdorf stehenden Dachgesellschaft.

Pöllath kam nach Presseberichten zu dem Schluss, dass die Investorenvereinbarung die Schaeffler-Vertreter darin hindere, Neumann abzuberufen. Zudem habe seine Abberufung nicht auf der Tagesordnung gestanden. Letztlich habe die streitige Sitzung rechtlich nicht stattgefunden.

In einer 2008 geschlossenen Investorenvereinbarung zwischen beiden Unternehmen hatte Schaeffler unter anderem zugesagt, keine Änderungen in der Zusammensetzung des Conti-Vorstands vorzunehmen oder zu veranlassen. Darüber hinaus hatte der Conti-Großaktionär ebenfalls zugesagt, die bisherige Strategie und Geschäftspolitik des Conti-Vorstands zu unterstützen und keine Verkäufe oder sonstige wesentliche Strukturmaßnahmen zu verlangen. (René Bender)

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