Diese überraschende Entwicklung ergab eine Auswertung statistischer Daten des INDAT-Reports durch die JUVE-Redaktion. Die Ende 2014 verkündete Fusion der Kanzleien hww und Hermann zu hww Hermann Wienberg Wilhelm ist dabei bereits berücksichtigt. Betrachtet man die Top-5 der meistbestellten Kanzleien, zu denen auch hww zählt, gilt dieser Trend gleichermaßen. Mittlerweile verwalten diese fünf Sozietäten 13,7 Prozent der gerichtlich vergebenen Unternehmensinsolvenzen.
In absoluten Zahlen ist dieser Trend zur Größe kaum erkennbar. Allerdings ist die Gesamtzahl der Insolvenzen seit dem Krisenjahr 2009, als infolge der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers zahlreiche Unternehmen strauchelten, zurückgegangen. In ihrer Bestellpraxis haben die über 180 deutschen Insolvenzgerichte dabei bewusst oder unbewusst von Jahr zu Jahr mehr auf die großen Kanzleinamen gesetzt. Seit über drei Jahren kommen noch die Auswirkungen der ESUG-Reform hinzu, die Gläubigern und in gewisser Weise auch den Krisenunternehmen selbst Mitsprache bei der Verwalterauswahl gewährt.
Allerdings sagt die Menge der Verfahren nichts über deren wirtschaftliche Qualität oder den juristischen Schwierigkeitsgrad aus. Gerade kleinere Verwaltereinheiten verfügen über hohes Renommee bei Finanzinstituten und anderen Gläubigern sowie Beratern. Auch die Liste der 50 größten Insolvenzverfahren, die JUVE für 2014 ermittelt hat, enthält viele Verwalternamen, die nicht zu den quantitativ größten Sozietäten gehören. Trotzdem könnte der Konzentrationstrend bedeuten, dass viele Kanzleien wirtschaftlich unter Druck geraten. Wenn die Menge der betreuten Verfahren zu gering ist, um den eigenen Apparat auszulasten und zu finanzieren, sind alternative Tätigkeitsfelder gefragt – zum Beispiel in der Sanierungsberatung, die nach JUVE-Erhebungen relativ hohe Stundensätze von durchschnittlich 361 Euro (Partner-Niveau) ermöglicht.