Im Vorjahr hatte Linklaters einen Umsatz von 1,293 Milliarden Pfund bekannt gegeben. Die leichte Steigerung auf nun 1,298 Milliarden Pfund ist vor allem Folge von Währungsgewinnen aufgrund des gegenüber dem Pfund starken Euro. Der Euro-Beitrag zum Gesamtumsatz soll etwa 36 Prozent ausmachen.
Im vergangenen Geschäftsjahr war die Profitabilität mehr denn je Thema. Dass sich das Restrukturierungsprogramm in der Bilanz niederschlug, nahm die Kanzlei aber bewusst in Kauf: Linklaters berichtet von einem Rückgang der Gewinne vor Steuern um knapp neun Prozent. Der durchschnittliche Gewinn pro Equity-Partner liegt sogar um 9,6 Prozent unter dem des Vorjahres – 1,32 Millionen Pfund gegenüber 1,44 Millionen Pfund. „So weit wie dies möglich war, sind die Kosten des Personalabbaus noch in dieses Geschäftsjahr gebucht worden“, sagte der deutsche Senior Partner Dr. Michael Lappe.
Dem Londoner Fachblatt ‚The Lawyer‘ zufolge mussten rund 200 Anwälte und noch einmal 200 andere Angestellte die Kanzlei in den vergangenen Monaten verlassen – ein Großteil davon in England. Die Kanzlei zahlte vielfach Abfindungen, die sich als Einmalkosten in einem hohen zweistelligen Millionenbereich auswirken.
In Deutschland schlug sich nun erstmals auch die Schließung des Kölner Büros Ende 2007 in den Zahlen nieder. Statt auf 192 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2007/08 kam die Kanzlei hierzulande nun mit 30 Berufsträgern weniger und einer konjunkturbedingten Delle lediglich auf einen Umsatz von rund 176 Millionen Euro.
Dennoch scheint sicher, dass sich der Umsatz pro Partner aufgrund der zahlreichen, auf Profitabilität gerichteten internen Maßnahmen sowie der Mandatsarbeit in mehreren zentralen Bankenrettungstransaktionen der jüngeren Zeit weiter verbessert hat.
Für die Zukunft hat Linklaters ihre Wachstumsbereiche klar identifiziert. „Im Fokus des Managements stehen in der nächsten Zeit neben dem Gesellschaftsrecht deutlicher Ausbau der Bereiche Restrukturierung und Öffentliches Recht“, sagte Lappe. Im Auge hat die Kanzlei hierbei neben dem Bankenaufsichtsrecht auch die Sektoren Energie, Gesundheit und Infrastruktur.
Auch in Deutschland sprechen Partner von möglichen Verstärkungen in der Restrukturierungspraxis, etwa durch Quereinsteiger.
Außerdem prüft Linklaters intensiv weitere Einsparmöglichkeiten. Weltweit will die Kanzlei zum Beispiel deutlich langsamer wachsen als bisher, was aber – auch bezüglich der Einstellung von Associates – nicht in gleichem Maße für Deutschland gelten soll, da die Praxis hier noch viel geschäftliches Potenzial habe. Hohe Umsatzerwartungen auch an die deutschen Partner zeugen dabei von der weiterhin harten Management-Linie, für die Linklaters bekannt ist. (Antje Neumann, Jörn Poppelbaum)
Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 8. Juli 2009