Prüfung und Beratung

EY-Aufspaltung – Mammutprojekt für Linklaters und Simpson Thacher

Die weltweite Geschäftsführung von Ernst & Young (EY) hat offiziell bekanntgegeben, dass Prüfungs- und Beratungssparten getrennt werden sollen. Nun geht es an die juristisch-technische Umsetzung. Und die ist alles andere als banal – darauf deutet auch die Auswahl der externen Berater hin.

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Die Aufspaltung von EY in eine Beratungs- und eine Prüfungsgesellschaft begleitet die weltweite Rechtsabteilung von EY. Rund 110 Juristen gehörten bislang zum Kernteam, das vom Global Vice Chair and General Counsel Michael Solender geführt und nun auf die weltweite Rechtsabteilung ausgerollt wird.

Aus den deutschen Landesgesellschaften sorgt nach JUVE-Informationen General-Counsel Ingo Hatzmann mit seinem Team für die reibungslose Umsetzung des Projekts. Hatzmann hatte Ende 2021 die Leitung der Rechtsabteilung der EY-Landesgesellschaften in Deutschland übernommen. Zuvor war er General Counsel für Deutschland bei BNP Paribas. Zum Kernteam gehört auch der Spezialist für kollektives und individuelles Arbeitsrecht Frank Behlen.

Die Inhouse-Teams von EY arbeiten mit zwei Top-Kanzleien zusammen. Ein international aufgestelltes Team von Linklaters soll sich um die Abspaltung in den meisten der rund 150 Länder kümmern, in denen EY derzeit Landesgesellschaften betreibt. Für die USA, die größte Landesgesellschaft in der Big-Four-Firma, wurde die New Yorker Kanzlei Simpson Thacher & Bartlett beauftragt. Den möglichen Börsengang würden auf Bankenseite Goldman Sachs und JPMorgan begleiten.

Beste Big Four-Kontakte

Linklaters pflegt sehr enge Kontakte in die Big-Four-Welt. Bekannt ist, dass die britische Kanzlei etwa PricewaterhouseCoopers zum Kauf des Konkurrenten Booz & Company im Jahr 2014 sowie zur Abspaltung des Global-Mobility-Geschäfts in diesem Jahr beraten hat. Den Verkauf des Mobility-Geschäfts für über zwei Milliarden US-Dollar an den amerikanischen Private-Equity-Investor Clayton Dubilier & Rice (CD&R) führten die Londoner Partner George Yiend und Sarah Wiggins an. Wiggins hat die Kanzlei mittlerweile in Richtung der britischen Bank HSBC verlassen.

In Deutschland ist insbesondere Dr. Jochen Laufersweiler für seine Beratung von Big-Four-Gesellschaften bekannt. Er zog etwa bei der Gründung eines europäischen Joint Ventures innerhalb des Deloitte-Netzwerks die Fäden.

Großbaustelle Fremdbesitz

Für die zuständigen Berater liegt eine zentrale Herausforderung darin, in allen betroffenen Jurisdiktionen die berufsrechtlichen Hürden für eine Beratungseinheit zu nehmen, an deren Spitze eine in den USA börsennotierte Holding steht. Denn 15 Prozent der Anteile dieser Holding sollen nach den EY-Plänen frei handelbar sein, also im Fremdbesitz.

In streng regulierten Ländern wie Deutschland ist der Fremdbesitz bei Anwalts- und Steuerberatungsgesellschaften aber grundsätzlich untersagt. Berufsfremde dürfen also keine Gesellschafter sein und Gewinne nicht an Dritte ausgeschüttet werden.

Seit Kurzem ist es hierzulande indes möglich, mehrstöckige Strukturen in Anwalts- und Steuerberatungskanzleien zu schaffen. An ihnen dürfen sich nun Gesellschaften beteiligen, die nicht von natürlichen Personen gehalten werden.

Unterschiedliche Berufsrechtsordnungen

Die Krux: Das Berufsrecht der Anwälte und Steuerberater unterscheidet sich offenbar an dieser Stelle. So ist es nach dem Steuerberatungsgesetz möglich, Anteile und Gewinne, die in der Beratungsgesellschaft anfallen, an Dritte zu übertragen. Die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) schließt das aber nach Meinung von Berufsrechtlern auch nach der jüngsten BRAO-Reform aus.

In Fällen wie diesen wird EY daher andere Wege finden müssen. Denkbar wäre es, vertragliche Konstruktionen zu schaffen, nach denen die jeweilige Anwalts- oder Steuerberatungseinheit eine Vielzahl von Dienstleistungen, die in der täglichen Praxis anfallen, an Dritte auslagert. Hierfür kommen vor allem die gesamte Datenverarbeitung, die Verwaltung des nicht als Berufsträger tätigen Personals, Immobilienverwaltung und vieles mehr in Betracht. Ziel des Ganzen wäre, ausreichend Gewinne auch außerhalb der eigentlichen Beratungseinheit entstehen zu lassen, die dann an die Holding weitergeleitet und an die Aktionäre ausgeschüttet werden können.

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