Magic-Circle-Kanzleien

Darum zahlen wir Gewerbesteuer

Manchmal zeigen sich große Veränderungen an kleinen Details. Noch vor Kurzem hätte kaum eine Kanzlei offiziell zugegeben, dass sie Gewerbesteuer zahlt. Doch die Digitalisierung und der Wandel von Geschäftsmodellen stellen die reine Lehre des Freiberuflertums zunehmend infrage. So geschieht heute, was vor ein, zwei Jahren noch kaum vorstellbar war: Die Managing-Partner der britischen Top-Kanzleien erklären, warum die Steuer für sie ihren Schrecken verloren hat.

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Clifford Chance arbeitet als einzige der Magic-Circle-Kanzlei als Deutschland LLP mit eigenem Verwaltungssitz in Deutschland. Die Kanzlei hat im Juni dieses Jahres als letzte Kanzlei aus dieser Gruppe den Weg in die steuerliche Gewerblichkeit genommen.

Dieners_Peter
Dieners_Peter

Dr. Peter Dieners, Managing-Partner Deutschland von Clifford Chance: „Komplexität erzeugt Risiken. Wir wollen unsere eigenen Strukturen so einfach und klar wie möglich gestalten – keep it simple. Indem wir für unsere Leistungen Gewerbesteuern zahlen, sparen wir auch die Verwaltungskosten, die komplizierte gesellschaftsrechtliche Konstrukte zur getrennten Abwicklung dieser Leistungen mit sich bringen. […] Große, komplexe Projekte – Transaktionen, Prozesse, Investigations – erfordern neben der Rechtsberatung zusätzliche Leistungen. […] Mandanten profitieren davon, wenn diese Leistungen smart gebündelt und aus einer Hand geführt werden. Diese Flexibilität wollen wir durch die steuerliche Gewerblichkeit unterstützen.“

Ubber_Thomas
Ubber_Thomas

Thomas Ubber, Senior-Partner Deutschland von Allen & Overy: „Nachdem wir die Frage der Gewerblichkeit kontinuierlich beobachtet hatten, erklären wir seit Anfang 2017 gewerbliche Einkünfte. In Anbetracht der Veränderung unseres Beratungs- und Produktangebots erschien uns dies als richtiger und konsequenter Schritt. In unserem Technologie- und Innovationszentrum ‚Fuse‘ entwickeln Start-ups gemeinsam mit Anwälten Legal-Tech-Lösungen, die auch im deutschen Markt zum Einsatz kommen.”

Steck_Andreas
Steck_Andreas

Andreas Steck, Senior-Partner Deutschland von Linklaters: „Wir beraten fachbereichs- und jurisdiktionsübergreifend hochkomplexe Mandate. Diese erfordern regelmäßig ein umfassendes und effizientes Management, das deutlich über das anwaltliche, freiberufliche Leistungsspektrum – also die klassische Rechtsberatung – hinausgeht. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz von Legal-Project-Managern, Transaction Lawyers, Business-Improvement-Managern und Legal-Tech-Lösungen. Uns geht es um mehr Beinfreiheit im Wettbewerb.“

Bei allen klingt durch: Die Zahlungsbereitschaft öffnet den Kanzleien neue Wege der freien Geschäftsentwicklung. Manche Wettbewerber unken dagegen, die britischen Einheiten seien in ihrem Kerngeschäft nicht mehr konkurrenzfähig und suchten deswegen die Flucht nach vorne. Auch Freshfields Bruckhaus Deringer hat JUVE gegenüber bestätigt, dass sie in Deutschland Gewerbesteuer zahlt. Allein das Diesel-Mandat für den VW-Konzern dürfte aufgrund seiner extremen Leverage – auf einen Partner kommen hier Dutzende von Associates – kaum noch im Rahmen klassischer freiberuflicher Rechtsberatung zu bewältigen sein. (Martin Ströder)

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