München ist nicht Düsseldorf

Expansionspläne in Zeiten der Finanzkrise - das klingt ungewöhnlich. Doch Allen & Overys Büroeröffnung in München ist nicht ganz so antizyklisch gedacht, wie es zunächst wirken mag. Die Pläne für einen Münchner Standort hegten die Partner schon seit ein paar Jahren. Jetzt wurde die Kanzlei fündig. Wie schon vor knapp einem Jahr in Düsseldorf nutzte die Kanzlei dabei die derzeitige Schwäche von Shearman & Sterling. Der Einstieg in München wird aber nicht nur wegen der Finanzkrise mit Sicherheit eine härtere Nuss als Düsseldorf. Dort war der Markt durch den entschlossenen Eintritt von Linklaters und den Wechsel sehr bekannter Freshfields-Partner Ende 2007 ohnehin kräftig aufgerührt worden.

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In München fehlt aber nicht nur ein solcher Katalysatoreffekt. Die Historie der Münchner Neueröffnungen ist sogar zu wirtschaftlichen Boomzeiten nicht immer rosig gewesen. Natürlich haben angesehene und vor Ort gut vernetzte Quereinsteiger wie Dr. Hans-Jörg Ziegenhain oder im Fall von Allen & Overy Dr. Gottfried Breuninger große Bedeutung. Vor allem Hengelers Markteinstieg zeigt aber, wie entscheidend die Unterstützung der ganzen Partnerschaft für den Erfolg einer solchen Investition ist. Hengeler gelang eine hervorragende Integration der Neuzugänge, ein Team um Ziegenhain und den Düsseldorfer M&A-Partner Dr. Maximilian Schiessl betreute schon im ersten Jahr gemeinsam wichtige Deals.

Einen vergleichbaren Erfolg wird Allen & Overy erst noch unter Beweis stellen müssen. Die Partnerschaft gilt als harmonisch, das ist ein Pluspunkt. Doch die für ihre Bank- und Finanzrechtspraxis bekannte Kanzlei wird aktuell auch viel Kraft auf die Stabilisierung dieses Kernbereichs verwenden müssen. Geschäftlich jedenfalls dürfte gerade das jetzt in München gestärkte Steuerrecht hervorragende Anknüpfungsmöglichkeiten sowohl an die Corporate- als auch die Bankenpraxis bieten. Kaum ein Rechtsgebiet gilt als derart krisenfest.

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