Wie gewöhnlich dreht es sich hier um die viel zu restriktiv vergebenen Equity-Ränge. Taylor Wessing hatte in Paris bislang über 50 Anwälte, aber gerade einmal fünf Equity-Partner. Seit der Büroeröffnung 2002 wurden fast keine neuen Partner ernannt. Die Erfahrung zeigt: Wer in Paris ein Büro aufbauen möchte, das sich ins übrige europäische Netzwerk einfügen soll, wird sich nicht auf solche antiquierten Praxiskonzepte einlassen können, die in Deutschland und Großbritannien längst der Vergangenheit angehören.
Die Pariser Standorte vieler internationaler Kanzleien sind kleiner als sie sein sollten, gerade weil sie in puncto Kanzleikultur zu Recht wenige Kompromisse eingegangen sind.
Taylor Wessings Problem ist allerdings, dass das französische Büro kaum Angriffspunkte bietet, da die Kanzlei nicht europaweit integriert ist. Die deutschen Partner haben immerhin bei ihren französischen Kollegen aufgrund kultureller Parallelen einen gewissen Einfluss: Gerade an den deutschen Standorten weiß man, was die Umstellung von überholten Hierarchien auf effizientes, einheitliches Management bedeutet.
Doch bis es der Sozietät gelingt, eine gemeinsame Kanzleistruktur für ganz Europa durchzusetzen, ist ein Ausscheren einzelner Jurisdiktionen nicht unwahrscheinlich. Wenn ein wirksamer Zusammenschluss für Taylor Wessing keine Priorität hat, kann auch der Wiederaufbau in Paris nicht allzu dringlich sein. Wichtiger für die britischen und deutschen Standorte sind ohnehin die echten Wachstumsmärkte Richtung Osten.