Prozesse

Deutsche Bank lagert Litigation auf Noerr aus

Die Deutsche Bank lagert ihre bundesweite Prozessführung auf die Kanzlei Noerr aus. Es dürfte in Deutschland das erste Mal sein, dass ein Unternehmen einen ganzen Bereich der juristischen Arbeit in dieser Form extern vergibt.

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Wittig_Arne
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Informationen aus dem Markt zufolge begann die Rechtsabteilung, die von Arne Wittig geleitet wird, mit der Ausschreibung dieses Mandats im Frühjahr. Intern betreuten Peter Lindt, Leiter der Litigation-Gruppe der Deutschen Bank, und Melanie Poepping als Projektmanagerin die Vergabe.

Angefragt wurden zunächst etwa 20 Kanzleien, zumeist solche, die bereits Beziehungen zur Deutschen Bank unterhielten. Darunter waren unter anderem White & Case, Hogan Lovells, Clifford Chance und Görg. An der formalen Ausschreibung nahmen dann deutlich weniger Kanzleien teil.

Soweit derzeit bekannt, sind vor allem Standardverfahren, die sogenannte Retail-Litigation, Gegenstand des Mandats. Verfahren wie etwa das um die Swap-Geschäfte fallen nicht darunter. Prozesse von besonderer Bedeutung können weiterhin individuell vergeben werden und werden zudem wie bisher auch durch das kleine Inhouse-Litigationteam begleitet. Dieses koordiniert auch die Beziehung zu Noerr.

Christian Kirchner
Christian Kirchner

Die Kanzlei äußerte sich nicht zu dem Gewinn des Mandats. Jedoch ist bekannt, dass Noerr aktuell dabei ist, ihre Personalkapazitäten im Bereich Bankprozesse aufzustocken. Client Partner für das Projekt ist dem Vernehmen nach der Berliner Christian Kirchner. Der Bankrechtler ist bereits seit 1996 bei Noerr tätig und leitet das Hauptstadtbüro der Kanzlei. Aktuell umfasst die gesamte Litigation-Abteilung der Kanzlei rund 60 Berufsträger, davon haben rund 12 Anwälte einen Fokus auf Banking-Litigation. Sie verteilen sich auf die Standorte Berlin, Frankfurt, München und Düsseldorf.

Noerr hat die Deutsche Bank schon seit einigen Jahren vor Gericht vertreten, allerdings regional beschränkt. Vor einiger Zeit hatte das Bankhaus die Prozessführung bereits auf gut ein Dutzend Kanzleien konzentriert und regional aufgeteilt.

Wie es heißt, wird jetzt allerdings neben den einzelnen Prozessmandaten auch die gesamte mit der Prozessverwaltung einhergehende Logistik auf Noerr übergehen. Damit schafft sich die Rechtsabteilung der Deutschen Bank Kapazitäten, um andere Aufgaben inhouse zu erledigen. Zu den Abrechnungsmodalitäten wurde im Detail nichts bekannt. Wie es heißt, wurden jedoch keine monatlichen oder jährlichen Pauschalen vereinbart.

Die Auslagerung der Prozesse ist Teil eines größeren Strategiewechsels, mit dem die Deutsche Bank auch international ihre externen Beraterkosten senkt. Während eine Reihe von Standard-Agreements inzwischen über eine bankeigene indische Dienstleistungsgesellschaft entwickelt wird, macht sich das Unternehmen nun an einen umfassenden Review seines internationalen Kanzleipanels. Die Überprüfung erfolgt zwar auf globaler Ebene, wird aber auf die jeweiligen Regionen heruntergebrochen.

Der Panel existiert bereits seit einigen Jahren und wird alle zwei Jahre überprüft. Weltweit kooperiert die Bank mit etwa 100 Kanzleien, wobei der Panel jedoch nie exklusiv war. Bei der jetzigen Überprüfung will die Bank, wie es heißt, die Konditionen an der einen oder anderen Stelle verschärfen: Das gilt etwa für die Vergütung bei abgebrochenen Transaktionen, aber auch für zusätzliche Dienstleistungen wie Inhouse-Schulungen.

Schon seit Längerem ist bekannt, dass die Bank auch in Deutschland mit einigen ausgewählten Kanzleien spricht, um mit ihnen Möglichkeiten zu erörtern, die Rechtsberatung effizienter zu gestalten. Dazu gehören insbesondere Outsourcing-Modelle.

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