Hat der Kanzleianwalt der Zukunft mehr oder weniger Freiheit bei der Berufsausübung?
Es wird weniger repetitive Aufgaben geben, insofern wird die Arbeit interessanter. Die Anforderungen im komplexen, hochpreisigen Segment steigen noch. Wenn man so will, ist das eine Befreiung von eher lästigen Aufgaben. Andererseits wird die Freiheit stärker dadurch begrenzt, dass jeder unter einem strengen Review arbeiten muss. Zeitlich und örtlich wird es mehr individuelle Gestaltungsfreiheit geben.
Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Kanzleien und Mandanten?
Bei den Schnittstellen zwischen beiden kann noch unglaublich viel verbessert werden. Heute gibt es E-Mail und Telefon, manchmal sogar noch Faxe. Künftig wird es viel integriertere Software geben, die die Zusammenarbeit effizienter macht. Zudem werden sich alternative Servicedienstleister für bestimmte standardisierbare Aufgaben stärker etablieren. Und dank Big Data werden Kanzleien den Aufwand von Mandaten besser vorhersagen können, sodass sich zunehmend Festpreise durchsetzen werden.
Wie werden sich Vergütungssysteme in Kanzleien verändern?
Neue Modelle werden stärker die Kollaboration der Anwälte untereinander honorieren, aber auch die Zusammenarbeit zwischen Anwälten und den innovativen nicht-juristischen Spezialisten der Kanzleien. Ein solches System lässt mehr Raum, sich auf langfristige Entwicklungen zu konzentrieren, weil nicht mehr der Kampf um die nächsten Billables alles dominiert. Lockstep-Systeme können diese neue Stufe der Zusammenarbeit besser fördern als der Eat-what-you-kill-Ansatz. Wie die Vergütung in Kanzleien organisiert ist, ist übrigens nicht nur für die Nachfrage auf Mandantenseite wichtig – sondern auch für Bewerber, die schon heute sehr genau danach fragen.
Aufgezeichnet von Marc Chmielewski.
Weitere Beiträge zum Rechtsmarkt der Zukunft finden Sie in der aktuellen Ausgabe 4/2020 des JUVE Rechtsmarkt, die wegen der Corona-Ausnahmesituation diesmal auch kostenlos online erhältlich ist.