Der Grund für das veränderte Arbeitsumfeld der Inhousejuristen ist nach den Ergebnissen der aktuellen JUVE-Inhouse-Umfrage vor allem das gewachsene regulatorische Umfeld: Die Bedeutung von Compliance wächst und Staatsanwaltschaften, Aufsichts- sowie Kartellbehörden waren selten in einer so aufmerksamen Habachtstellung wie heute. Zum anderen erhöhen die Unternehmen ihre Geschwindigkeit: Immer häufiger werden neue Produkte auf den Markt geworfen, die innovativer und digitaler, aber billiger sein sollen als die der Konkurrenz.
Schwieriger Balanceakt
Wie die JUVE-Inhouse-Umfrage ergab, definieren sich dennoch die meisten deutschen Rechtsabteilungen als interner Dienstleister, der sowohl die operativen Kollegen als auch die Geschäftsführung in allen rechtlichen Fragen berät. Sie agieren als interne Kanzlei, die alle Aufgaben erledigt, die auch eine externe Kanzlei erledigen könnte, nur zu geringeren Kosten.
Angesichts der gestiegenen regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen reicht es häufig aber nicht mehr aus, wenn Syndizi als reine Dienstleister agieren. Vielmehr müssen sie die Balance finden zwischen wirtschaftlichem Erfolg des Unternehmens und Legalität, müssen gleichzeitig als Kaufmann und als Governance-Spezialist agieren.
Frühe Einbindung
Damit diese Rolle erfüllt werden kann, ist es notwendig, dass die Inhousejuristen schon früh in die operativen Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Das ist auch deshalb erforderlich, damit sie nicht als mieser „Nein-Sager“ da stehen, wenn ein Produkt fertig entwickelt ist, es schließlich aber an der rechtlichen Machbarkeit scheitert. (Christin Nünemann)
Mehr zu der sich verändernden Rolle von Juristen in Unternehmen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkts ‚Unternehmen Spezial‘ ab Seite 74.