Vor fünf Jahren hatte Hengeler das Büro in Schanghai eröffnet. Nun stand bei der jährlichen Sozienversammlung eine turnusmäßige Überprüfung der Zukunft des Standorts an. Dabei wurde entschieden, den Standort zu schließen. Die Standortschließung bedeutet allerdings nicht, dass die Kanzlei ihr China-Geschäft einstellt. Der China Desk um die Partner Dr. Annika Clauss, Dr. Hendrik Haag, Prof. Dr. Johannes Adolff und Dr. Christian Möller wird seine Arbeit fortsetzen. Diese Mandate werden künftig, ähnlich wie das internationale Geschäft in anderen Weltregionen, von Deutschland aus akquiriert und abgearbeitet. Außerhalb Deutschlands verfügt Hengeler nur in Brüssel und in London über eigene Standorte.
Als einziger Hengeler-Partner war Dr. Changfeng Tu seit Gründung des Standorts 2014 in Schanghai vor Ort. Tu war im selben Jahr in die Partnerschaft der Sozietät aufgestiegen. Wie die Kanzlei mitteilt, verlässt Tu die Sozietät zum Jahreswechsel, um einen Investmentfonds zu gründen.
Mit ihrem Beschluss dürften die Hengeler-Sozien auch auf das abnehmende M&A-Geschäft mit chinesischen Investoren reagieren. Im ersten Halbjahr fiel die Zahl der Unternehmenserwerbe in Europa laut Ernst & Young um 28 Prozent auf nur noch 81 Übernahmen. Das Investitionsvolumen brach sogar um 84 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar ein. Als Hauptgrund sehen Experten das Binnenklima in China. Noch trüber sieht die Bilanz für Deutschland aus. Hier sanken die Aktivitäten chinesischer Investoren von 10,1 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2018 auf mittlerweile nur noch 500 Millionen Dollar. Die Zahl der Zukäufe und Beteiligungen wurde mit elf Deals mehr als halbiert.
Die Sozienversammlung der Kanzlei hat darüber hinaus auch bestimmt, wer zum Jahreswechsel in die Partnerschaft aufgenommen wird. Mit Maximilian Bülau (Frankfurt), Dr. Markus Ernst (München), Dr. Antonia Hösch (Frankfurt) und Dr. Daniel Zimmer (Düsseldorf) verstärken insgesamt vier neue Partner die Partnerschaft. (Martin Ströder)