Schwächelnde Zentrale

Autor/en
  • Aled Griffiths

Es ist schon eine verkehrte Welt. Allmählich werden die aktuellen Jahresergebnisse der internationalen Kanzleien mit britischem Mutterhaus bekannt. Der klare Trend: Die kontinentaleuropäischen Praxen schneiden gut ab, und daran ist nicht nur der starke Euro schuld. Nach Auskunft der meisten Managing Partner ist auf dem Kontinent von einer

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Konjunkturschwäche bis jetzt nicht viel zu spüren – „außer im Pariser Markt“, räumt einer ein. Zwar blicken alle Anwälte mit Skepsis ins zweite Halbjahr 2008, doch in London ist die Nervosität garantiert noch größer. In dieser Publikation war schon oft davon die Rede, dass die Londoner Kanzleien ihren Fokus stärker über die

„Square Mile“ und ihre Finanzinstitute hinaus erweitern müssten. Die Schwierigkeit ist dabei, dass sich die Londoner noch immer als Zentralen und die Standorte auf dem Kontinent als Satelliten betrachten. Natürlich haben die deutschen Anwälte im Lauf der Jahre von ihren Londoner Kollegen einiges darüber gelernt, wie sich stagnierende,

konservative Partnerschaften zu dienstleistungsorientierten Beratungsunternehmen entwickeln lassen.

Nur sieht es heute so aus, als wären die Schüler dabei, ihre Lehrer zu überholen.

Im deutschen Markt mögen die Höhenflüge nicht ganz so triumphal aussehen, doch dafür sind auch die Abstürze nicht so grausam. Wie etwa Lovells-Ergebnisse zeigen, wächst die Kanzlei in fast jeder Jurisdiktion schneller als in London. Manche – etwa die deutsche – Praxis arbeitet angeblich sogar profitabler als die Londoner. Besonders interessant wird diese Statistik, wenn man bedenkt, dass Lovells noch in diesem Jahr den Posten des weltweiten Managing Partner neu besetzen wird.

Viele deutsche Partner wünschen sich den erfolgreichen – und rigorosen – European Managing Partner Harald Seisler als Kandidaten. Lovells (und nicht nur Lovells) steht nun vor der Frage, ob die Londoner Partner ein für alle Mal Abschied von der Idee nehmen können, dass eine internationale Sozietät auch langfristig von Großbritannien aus zu steuern ist. Bei Linklaters lautet die Antwort möglicherweise ‚Ja‘.

Lovells, Norton Rose, Ashurst, Simmons? Wohl kaum.

Nachricht zu den aktuellen Umsatzzahlen von Lovells unter www.juve.de

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