Von wegen digital

Fürs Examen pauken Juristen wie vor 100 Jahren

Alle reden von Digitalisierung. Doch auch wenn viele einen Hype wittern und darauf verweisen, dass Legal Tech im anwaltlichen Berufsalltag (noch) in keinem Verhältnis zu seinem tatsächlichen Nutzen steht: Die meisten Kanzleien wollen ihr digitales Repertoire erweitern, weil sie fürchten, den Bedürfnissen der immer preis- und selbstbewussteren Mandanten auf Dauer nicht mehr gerecht werden zu können. Also entwickeln viele eigene Programme und Tools, um Arbeitsprozesse bald digitalisieren zu können. Besonders weit sind die meisten noch nicht gekommen.

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Nicht nur erfahrene Anwälte tun sich mit der Umstellung auf eine digitale Welt manchmal schwer. JUVE-Recherchen haben ergeben, dass auch angehende Juristen auf das Thema Digitalisierung noch eher verhalten reagieren – obwohl diese Generation im Verdacht steht, keinen Schritt mehr ohne Smartphone zu gehen. Diese Zurückhaltung lässt sich zumindest beim Softwareeinsatz zur Examensvorbereitung beobachten. Hier regieren, wie vor 100 Jahren, weitgehend Lehrbuch, Skript und Karteikarte.

Und das, obwohl es mittlerweile eine ganze Reihe digitaler Angebote zur Prüfungsvorbereitung gibt, die nicht nur den gleichen Inhalt bereitstellen, sondern auch Schwachstellen der eigenen Lernmethoden ausbügeln können. Auch Professoren befürworten den Einsatz elektronischer Lernmittel. „Die elektronische Variante schafft ein technisches Abbild einer Prüfungssituation. Der Nutzer wird mit Inhalten konfrontiert, die er nicht beeinflussen kann und die ihn maximal fordern“, sagt Prof. Dr. Lutz Lammers, Juniorprofessor für Öffentliches Recht und Steuerrecht an der Universität Potsdam. Trotzdem beobachtet auch er, dass nur wenige Studenten die vorhandenen digitalen Tools nutzen.

Auch in Kanzleien suchen die meisten Referendare und Praktikanten vergeblich nach digitaler Unterstützung bei der Vorbereitung auf die juristische Staatsprüfung. Nur wenige Kanzleien nutzen JUVE-Recherchen zufolge bisher Online-Learning-Module, um ihre Referendare und Associates aus- und weiterzubilden. Bisher setzten diese noch primär auf Präsenztrainings. Associates treffen sich also an einem Standort, um sich im Zuge von Seminaren und Workshops in Sachen Verhandlunsgtaktik und Konfliktmanagement weiterzubilden.

Ergänzend dazu haben einige wenige Kanzleien – darunter McDermott Will & Emery und Linklaters – mittlerweile auch Online-Learning-Module eingeführt, mit deren Hilfe Associates Lerninhalte aus Präsenztrainings vor- und nachbereiten oder vertiefen können.

Referendare, Praktikanten und wissenschaftliche Mitarbeiter können solche Tools oftmals nicht nutzen, weil diese in erster Linie Inhalte vermitteln, die den Arbeitsalltag ergänzen, aber nicht auf Prüfungen vorbereiten. Diesbezüglich setzen viele Einheiten, zum Beispiel Clifford Chance und CMS Hasche Sigle, auf Kooperationen mit kommerziellen Repetitoren und spendieren ihrem Nachwuchs den ein oder anderen Kursus oder die Teilnahme an Klausurenkursen. Digitale Angebote für die angehenden Juristen spielen aber eine untergeordndete Rolle.

Eine der wenigen Kanzleien, die ein solches Angebot bereits vorhält, ist Heuking Kühn Lüer Wojtek, die zum jahresanfang ein Lern-App an den Start gebracht hat. Was dieses und andere digitale Lerntools können, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des azur-Karrieremagazins.

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