Wieder Airline-Insolvenz

Nach Air Berlin stellt auch Germania den Flugbetrieb ein

Die Berliner Airline Germania hat ihren Flugbetrieb eingestellt und beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind drei Gesellschaften der Gruppe. Zum vorläufigen Verwalter in dem Verfahren wurde Rüdiger Wienberg ernannt, Namenspartner der Berliner Kanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm.

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Rüdiger Wienberg
Rüdiger Wienberg

Die Eigenanträge erstrecken sich auf die Germania Fluggesellschaft mit 1.426 Mitarbeitern, Germania Technik Brandenburg, ihr Schönefelder Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen mit 178 Mitarbeitern, und die Germania Flugdienste mit 74 Mitarbeitern. Die Schweizer Germania Flug und die Bulgarian Eagle sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Wienberg hat die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter über einen Bankkredit angestoßen. Der Verwalter prüft nun die Fortführungsaussichten. Allerdings hatte Germania den Flugbetrieb bereits in Absprache mit dem Luftfahrtbundesamt eingestellt. Hintergrund ist, dass im Falle einer Insolvenz ohne einen Finanzierungsnachweis die Voraussetzungen für die nötigen luftfahrtrechtlichen Betriebsgenehmigungen fehlen.

Germania ist eine unabhängige deutsche Fluggesellschaft mit über 30 Jahren Unternehmensgeschichte. Auf der Kurz- und Mittelstrecke flog sie zuletzt mehr als vier Millionen Passagiere im Jahr. Ende Dezember des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass das Unternehmen an der Schließung einer Finanzierungslücke in Höhe von rund 20 Millionen Euro arbeitet. Knapp einen Monat später verkündete der Germania-Geschäftsführer Karsten Balke, der auch Mehrheitseigner und Partner der Berliner Kanzlei Casimir Vogt & Weinreich ist, das erfolgreiche Ende der Bemühungen.

Im Zusammenhang mit dem Geschäftsführer steht auch ein bereits seit 2015 andauerender Rechtsstreit mit dem Erben der Gründerfamilie Bischoff. Im Kern geht es um eine Abfindung. Dr. Niklas Mirbach von der Hamburger Kanzlei Huth Dietrich Hahn vertritt den Erben Erik Bischoff, die Berliner Kanzlei Wegnerpartner die Germania. Die Fluggesellschaft teilte mit, dass der vom Landgericht Cottbus festgestellte Abfindungsbetrag in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro nicht im Zusammenhang mit der Insolvenz stehe.

Vorläufiger Insolvenzverwalter
hww Hermann Wienberg Wilhelm (Berlin): Rüdiger Wienberg

Berater Germania
Schultze & Braun (Achern): Detlef Specovius (Federführung), Stefan Ludwig (beide Insolvenzrecht), Joachim Zobel, Stefanie Beck (beide Arbeitsrecht; beide Nürnberg) – aus dem Markt bekannt
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus, Dr. Georg Heidemann (beide Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Konrad Schott (Luftverkehrsrecht), Dr. Lars Westpfahl (Insolvenzrecht; Hamburg) – aus dem Markt bekannt
Dentons (Frankfurt): Andreas Ziegenhagen (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Das zuständige Amtsgericht hat sich gegen die Erfahrung der im Air Berlin-Verfahren tätigen Verwalter gewendet. Seinerzeit war neben Prof. Dr. Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing als Sachwalter auch Kebekus von Kebekus et Zimmermann als Generalbevollmächtigter in dem Verfahren vor dem selben Amtsgericht aktiv. Mit Wienberg soll dem Vernehmen nach allerdings ein Wunschkandidat der Kanzleien und Berater den Posten erhalten haben, die in den vergangenen Wochen an der Rettung des Unternehmens gearbeitet haben.

Dazu gehörte auch Kebekus, der wegen seiner Air Berlin-Erfahrung das Beratungsmandat erhalten haben dürfte. Ein Team der Kanzlei Schultze & Braun wurde dem Vernehmen nach mit der Vorbereitung der Insolvenzanträge beauftragt. Inwieweit die Kanzleien, zu denen neben Dentons auch Freshfields gehören, auch weiterhin für das Unternehmen tätig bleiben, ist derzeit noch unklar.

hww hat in namhaften Insolvenzverfahren wie bei Holzmann, Karman, Q.Cells oder Solon mitgewirkt. Bei der Air Berlin-Insolvenz war sie insofern indirekt beteiligt, als ihr Partner Christian Otto Verwalter für TopBonus war, die das Vielfliegerprogramm der Fluggesellschaft betrieb.

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