Interview mit Morrison & Foerster

„Wir sind keine verlängerte Werkbank“

Autor/en
  • Aled Griffiths

Dirk Besse leitet das deutsche Büro von Morrison & Foerster und die europäische Corporate-Praxis. JUVE spricht mit ihm über Expansionspläne und vielversprechende Beratungsgebiete.

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Vor zehn Jahren eröffnete Morrison & Foerster ihr Büro am Potsdamer Platz in Berlin.
Dirk Besse

JUVE: Wie ist die deutsche Praxis innerhalb der Kanzlei positioniert?
Dirk Besse: Nach 10 Jahren haben wir das Gefühl, bestens integriert zu sein. Es vergeht keine Woche, in der die deutschen Partner nicht in Kontakt mit amerikanischen oder asiatischen Partnern stehen. Das deutsche Team ist innerhalb von MoFo noch wichtiger geworden, gerade weil wir viel mit dem sehr starken japanischen Büro zusammenarbeiten, wie zuletzt etwa bei den beiden öffentlichen Übernahmen von Nikon und Fujitsu in Deutschland. Die Mandate haben wird durch Pitches der deutschen Partner gewonnen, aber die Kanzlei bietet eben auch die Plattform, interessante High-End-Mandate zu akquirieren und auszurollen.

Wie hat sich Ihr eigenes Geschäft über die letzten 10 Jahre entwickelt?
Bei MoFo gibt es weltweit viele Kontakte und Türöffner, aber wir wollten von Anfang an einen überwiegenden Teil der Mandatsarbeit selbst generieren, das ist für das Selbstverständnis des Teams sehr wichtig. Wir sind keine verlängerte Werkbank einer viel größeren Kanzlei, sondern wir wollen auch selbst Mandate gewinnen und führen. Nur so bekommt man auch die besten Köpfe im Markt.

Ist das Geschäft internationaler geworden?
Ja, im Transaktionsbereich haben wir davon profitiert, dass wir gut besetzt sind in Bereichen wie IP, Internet, Telekommunikation und Lifescience. Zudem gibt es eine viel größere Bandbreite an Private-Equity-Häusern und VC-Investoren, die sich in Deutschland nach Targets umschauen. Aber wir haben auch andere Bereiche strategisch ausgebaut, etwa eine Investigationspraxis mit dem Team um Roland Steinmeyer, das 2019 zu uns kam. Ihre Arbeit kann man nur auf einer US-Plattform wirklich gut machen, denn dafür braucht es die Expertise und Verbindungen in den USA.

Gibt es bestimmte Bereiche, in denen man die Zusammenarbeit mit den internationalen Büros intensivieren kann?
Ganz klar: Litigation und Compliance. Denn sowohl große Streitigkeiten zwischen Unternehmen als auch Compliance-Untersuchungen werden heute von global aufgestellten Litigation-Teams geführt. Da kommt es auf die internationale Reichweite der Kanzlei und die Qualität der lokalen Partner an.

Im Vergleich zu einigen anderen ausländischen Kanzleien, die in Berlin tätig sind, ist die Kanzlei im Growth-Sektor nicht so stark vertreten. Möchten Sie das korrigieren?
Das ist eine falsche Wahrnehmung. Wir sind zwar nicht die Kanzlei, die die Seed- oder Series-A-Runden macht. Aber sobald sich diese schnell wachsenden Unternehmen internationalisieren, sind wir regelmäßig dabei: Wir haben beispielsweise das Berliner Unternehmen Affinitas bei der Fusion mit Spark Networks und beim Gang an die New Yorker Börse beraten. Und kürzlich SellerX beim Zusammenschluss mit Elevate Brands in den USA – ein wirklich komplexer transatlantischer Deal.

Hat Morrison & Foerster jemals über andere deutsche Standorte nachgedacht?
Ja, wir spielen immer wieder mit dem Gedanken. Man könnte etwa darüber nachdenken, ob mit der Einführung des Einheitlichen Patentgerichts eine Patent-Litigation- Praxis eine gute Ergänzung wäre – und dafür wäre man idealerweise in München. Aber ein zweites Büro hierzulande wäre eher eine opportunistische Entwicklung.

Was sind die mittelfristigen Pläne für Europa?
Die europäischen Büros sind in den letzten Jahren überproportional gewachsen. Da wir aber im Vergleich zu den USA und Asien immer noch im Untergewicht sind, wollen wir weiter wachsen. Wir streben an, uns in Europa in den nächsten zehn Jahren noch einmal zu verdoppeln.

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe 09/2023 des JUVE Rechtsmarkt.

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