Wirtschaftsboom im Osten

Der Kanzleimarkt profitiert kräftig

Die deutsche Start-up-Szene floriert. Größter Profiteur ist und bleibt Berlin, denn die Venture-Capital-Szene ist so rührig wie in keiner anderen Stadt. Allein im ersten Halbjahr 2017 vereinigten die in Berlin ansässigen Start-ups 68 Prozent der in ganz Deutschland getätigten Risikokapitalinvestitionen, wie eine Erhebung von EY ergab. Doch längst nicht nur Start-ups sorgen dafür, dass in der Hauptstadt und um sie herum die Geschäftsaussichten auch für Kanzleien rosig sind.

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Bei Start-ups hat sich laut der EY-Studie ‚Start-up-Barometer‘ der Wert der Investitionen in Berlin im ersten Halbjahr von 972 Millionen 2016 auf 2,16 Milliarden im Jahr 2017 mehr als verdoppelt. Aber auch abseits der Hauptstadt entwickelt sich das Geschäft weiter. Ein Grund für den Aufschwung beim Wagniskapital waren vor allem die zwei Megadeals: Mitte Mai hatte Delivery Hero kurz vor dem geplanten Börsengang vom südafrikanischen Investor Naspers 387 Millionen Euro erhalten, wenig später verkündete Auto1 eine rund 360 Millionen Euro starke Finanzspritze verschiedener Investoren.

Dieser Boom geht auch an den Kanzleien nicht vorbei, sie stellen ihr Geschäft darauf ein. So sind im vergangenen Jahr erneut zahlreiche Neugründungen zu beobachten, die sich den Anforderungen des Marktes entsprechend aufstellen: Gründerberatung einerseits und Restrukturierung andererseits.

Immer weniger Notare

Beim Immobilienboom in der Hauptstadt ist ebenfalls kein Ende in Sicht. Mit Forward-Deals wechselten große Projektentwicklungen wie ,Cube Berlin‘ den Besitzer. Das futuristische Bürogebäude in Form eines Würfels entsteht seit Herbst 2016 vor dem Berliner Hauptbahnhof. Auch der Axel-Springer-Neubau wurde nur wenige Wochen nach Grundsteinlegung für 425 Millionen Euro vom norwegischen Fonds Norges übernommen. Die angrenzende Axel-Springer-Passage übernahmen Blackstone und Quincap Investment Partners. Mit insgesamt 755 Millionen Euro zählt der Deal zu den größten Bürotransaktionen des Jahres. 

Auch die Beratung der öffentlichen Hand – etwa bei den zahlreichen Städtebauprojekten – befeuert den Beratermarkt. Diese Euphorie wird lediglich von der sinkenden Zahl an Notaren getrübt, denn an Beurkundungen mangelt es nicht, im Gegenteil. Der Rückgang liegt laut Notarkammer am demografischen Wandel.

Leipzig etabliert sich als Motor

Aber auch abseits der Hauptstadt entwickelt sich das Geschäft zunehmend. Wie kein zweites ostdeutsches Bundesland symbolisiert Sachsen den wirtschaftlichen Aufschwung. Die bereits vor Jahren etablierten Standorte der Automobil(zuliefer)industrie waren die ersten Leuchttürme in der Region, mittlerweile stehen insbesondere Leipzig und Chemnitz auch für zukunftsweisende Branchen wie Robotik oder Logistik.

Nicht nur emotional symbolisiert der kometenhafte Aufstieg des Fußballvereins RB Leipzig den Aufschwung der Region – tatsächlich ist die Stadionerweiterung eines der wichtigsten Bauprojekte Sachsens, bei dem für Stadt, Baufirmen und Investoren eine Vielzahl von Anwaltskanzleien involviert sind. (Ulrike Barth, Eva Lienemann, Anika Verfürth)

Mehr zu den aktuellen Veränderungen auf dem Kanzleimarkt und Wachstumsstrategien lesen Sie im aktuellen JUVE Handbuch 2017/2018, online unter: https://www.juve.de/handbuch

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