Wirtschaftskanzleien 2003

Gute Umsätze, harte Bandagen

Das ausgebliebene Wirtschaftswachstum und ein zunehmender Wettbewerb um lukrative Mandate haben deutsche Anwaltskanzleien im abgelaufenen Geschäftsjahr auf einen Konsolidierungskurs gezwungen. Dies ergibt sich aus den Umsatzzahlen der deutschen Top 30-Sozietäten, die JUVE zum dritten Mal recherchiert hat.Trotzdem war das Jahr 2003 kein Krisenjahr für die Kanzleien in der Marktspitze. Nur rund ein Viertel meldete tatsächlich Umsatzrückgänge, während ein gutes Drittel zwischen 5 und 50 Prozent (Weil, Gotshal & Manges) zulegen konnte. Gewinner unter den nicht fusionierten deutschen Spitzenkanzleien war Gleiss Lutz mit 91 Millionen Euro Umsatz (+7 Prozent).

Teilen Sie unseren Beitrag

Mit Abstand größte und umsatzstärkste deutsche Praxis bleibt trotz stagnierenden Geschäfts Freshfields Bruckhaus Deringer, deren rund 550 Berufsträger 280 Millionen Euro erwirtschafteten. Es folgen Clifford Chance, die in Deutschland um 6 Prozent auf 160 Millionen Euro Umsatz zulegen konnte, und dahinter relativ dicht beieinander Hengeler Mueller (147 Millionen Euro), Linklaters Oppenhoff & Rädler (138 Millionen) und CMS Hasche Sigle (135 Millionen Euro).

Vor allem kleinere oder aufstrebende Kanzleien haben sich gut aus der Affäre gezogen und Marktanteile hinzu gewonnen. Besonders deutliche Zuwächse verzeichneten mit Umsatzsteigerungen zwischen 14 und 16 Prozent etwa Shearman & Sterling, Taylor Wessing, Baker & McKenzie oder Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Die potenziell profitabelsten Kanzleien (höchster Umsatz pro Equity-Partner/UEP) waren Weil Gotshal (3,78 Millionen Euro; Leverage 5,67), mit jeweils großem Abstand gefolgt von Rödl & Partner und Clifford Chance. Dahinter folgen fast gleichauf Shearman & Sterling, P+P Pöllath + Partner und Baker & McKenzie. Trotz der mit Abstand niedrigsten Partner-/Associate-Leverage aller JUVE Top 20-Kanzleien folgt bereits auf Rang 7 Hengeler Mueller (UEP 1,96 Millionen Euro; Leverage 1,52).

Das insgesamt erfolgreiche Geschäftsjahr 2003 trotzten die Top-Kanzleien einem weiterhin widrigen Wirtschaftsumfeld ab. Sie präsentieren sich dabei im Vergleich zu früheren Jahren als weitaus straffer geführte Unternehmen. Nebenwirkungen dieses intensiveren Managements sind vielerorts mehrstufige Partnerschaften und eine zunehmende Abschottung der Equity-Partnerränge, aber auch wachsender Erfolgsdruck auf die einzelnen Equity-Partner. Viele von ihnen werden inzwischen mit sanftem Druck hinaus gedrängt. „Wenn die Konjunkturflaute noch zwei Jahre andauert, sind die Kanzleien konsolidiert“, meinte ein Partner einer Top 10-Kanzlei ironisch in Anspielung auf diese zunehmenden Abwanderungen.

Die vollständigen Zahlen und Analysen zu den Umsätzen 2003 gibt es in der Oktober-Ausgabe 10/04 von JUVE Rechtsmarkt, die beim Verlag erhältlich ist.

Artikel teilen

Gerne dürfen Sie unseren Artikel auf Ihrer Website und/oder auf Social Media zitieren und mit unserem Originaltext verlinken. Der Teaser auf Ihrer Seite darf die Überschrift und einen Absatz des Haupttextes enthalten. Weitere Rahmenbedingungen der Nutzung unserer Inhalte auf Ihrer Website entnehmen Sie bitte unseren Bedingungen für Nachdrucke und Lizenzierung.

Für die Übernahme von Artikeln in Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Nutzungsrechte über die PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin.
www.pressemonitor.de