Zur Hilfe, das Rote Kreuz ist pleite

Die, die Hilfe geben, brauchen jetzt selber Unterstützung. Und das nicht zum ersten Mal. Denn mit dem €Kreisverband Berlin-Nordost des Deutschen Rotes Kreuzes€ ist in Berlin bereits der dritte von zehn Kreisverbänden des DRK insolvent geworden. "Ursache für die finanzielle Misere beim DRK sind zum Großteil die hohen Pensionsverpflichtungen für die Rentner", sagte der kaufmännische Leiter des Landesverbandes. Das Problem: Vom Landesverband hatten die Kreisverbände nach ihrer Gründung 1998 viele Mitarbeiter übernommen - und 2001 meldete der Landesverband ebenfalls Insolvenz an.++++ Die 35 festen Mitarbeiter und 260 Ehrenamtlichen des aktuellen Sanierungsfalls DRK Kreisverband Berlin Nord-Ost sind jedoch in erfahrenen Händen. Zum vorläufigen Verwalter durch das Berliner Amtsgericht wurde Joachim Voigt bestellt. Der Namenspartner der in vielen Teilen Ostdeutschlands aktiven Kanzlei Voigt & Scheid verwaltet seit 1999 auch schon den Berliner DRK-Verband Schöneberg-Wilmersdorf und seit 2003 den Verband Neukölln-Treptow. Voigts Mitarbeiter Dr. Lars Gerke gab sich gegenüber der Zeitung 'Die Welt' hinsichtlich der drei Fälle optimistisch. Die Sanierung in Schöneberg-Wilmersdorf sei fast abgeschlossen und in Neukölln seien erste Maßnahmen wie der Umzug einer Sozialstation bereits erfolgreich gelaufen. ++++

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++++ Vom Roten Kreuz oder ähnlichen Institutionen könnte die Schifffahrtsbranche offensichtlich derzeit Hilfe gebrauchen. Bereits seit Anfang des Jahres ist die europäische Gruppe Festival Cruises mit Hauptsitz im italienischen Genua in Zahlungsschwierigkeiten. Die Rede ist von über 320 Millionen Euro Schulden, die sich angehäuft hätten, der Schiffseigentümer Alstom sah sich mittlerweile gezwungen, drei Schiffe der Flotte zu beschlagnahmen. Betroffen in Deutschland ist nun auch die Hamburger Festival Kreuzfahrten GmbH. Die Firma musste Anfang Juni beim örtlichen Amtsgericht Insolvenz anmelden. Zum vorläufigen Verwalter wurde Dr. Sven-Holger Undritz von White & Case bestellt. ++++

++++ Doch befindet sich nicht nur das Schifffahrtsunternehmen, sondern auch eine Schiffsversicherung in Schwierigkeiten – und das schon seit langem. Hatte im Oktober des vergangenen Jahres noch die Antra Niederelbe-Trampfahrt Versicherung AG Insolvenz anmelden müssen (Verwalter: Jan Wilhelm, hww wienberg wilhelm, JUVE 12/03), traf es nun auch die Mutter. Die Niederelbe Trampfahrt Versicherungskontor e.G. sprach Anfang Juli beim Insolvenzgericht Stade vor. Wenig verwunderlich: Die Genossen sind mittelständische Reedereien, die ihre Schiffe unter anderem über die Antra AG versichert hatten, allerdings nach der Insolvenzeröffnung dem Unternehmen den Rücken kehrten – wahrscheinlich fatal für die Genossenschaft. Der vorläufige Verwalter, Haarmann Hemmelrath-Partner Stefan Denkhaus, hofft wenigstens die MCH GmbH, eine weitere Tochter der Genossenschaft, aufrecht erhalten zu können. Sie vermakelt Schiffsversicherungen. ++++

++++ Folgeinsolvenzen kommen leider überall vor. Nicht nur in der Schifffahrtsbranche, sondern auch bei Flugzeugbauern. Einem der stolzesten von ihnen, Fairchild Dornier, droht nun das endgültige Aus. Nachdem das bayrische Traditionsunternehmen vor mehr als zwei Jahren Insolvenz angemeldet hatte (Verwalter: Dr. Eberhard Braun, Schultze & Braun, JUVE 05/02) und darauf hin die verschiedenen Sparten verkauft wurden, geht nun auch dem Übernehmer des 728-Flugzeugmodells die Luft aus. Dem chinesischen Investor D’Long, der die Produktion des 728-Regional-Jet-Programmes im Juni 2003 erworben hatte (JUVE 08/03), droht nun selbst der Bankrott. Zum vorläufigen Verwalter der Fairchild Dornier AeroIndustrie GmbH wurde vom Amtsgericht Weilheim diesmal der hoch anerkannte Münchner Pluta-Verwalter Dr. Martin Prager bestellt. Ob er noch irgendetwas für die sowieso schon auf knapp 40 Mitarbeiter geschrumpfte Belegschaft tun kann, bleibt abzuwarten. ++++

++++ Dramatisch für die Mitarbeiter sieht es auch bei der Zenith Maschinenfabrik GmbH mit Sitz in Neunkirchen bei Siegen aus. Schon seit März waren die Löhne rückständig, 45 der 175 Arbeitnehmer haben daher bereits gekündigt, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Bruno Kübler (Kübler) hat jedoch direkt nach seiner Bestellung durch das Amtsgericht Siegen Mitte Juni mit der Agentur für Arbeit Kontakt aufgenommen und will mit einer Insolvenzgeldvorfinanzierung die restlichen Mitarbeiter zum Bleiben motivieren – obwohl er den bisherigen Lohnausfall nicht voll ersetzen kann. Eine nicht ganz leichte Aufgabe für den renommierten Verwalter, der ursprünglich aus Köln kommt, aber nach über einem Jahrzehnt vor allem im Osten seit knapp zwei Jahren wieder regelmäßig im Rheinland bestellt wird. Mit Zenith setzt Kübler übrigens die Reihe grenzüberschreitender Insolvenzen fort, die nach der Europäischen Insolvenzverordnung (EuInsVO) gehandhabt werden. Die Norm scheint 2004 ihren Durchbruch in der Praxis zu erleben. Zenith ist mindestens der vierte Fall in diesem Jahr, bei dem die EuInsVO in Deutschland angewandt wird. In diesem Fall bestellte das Insolvenzgericht Siegen Kübler Anfang Juli auch zum Insolvenzverwalter über die österreichische Tochter Zenith Maschinenfabrik Austria Ges.m.b.H., nachdem es festellte, dass die hauptsächlichen wirtschaftlichen Interessen in Deutschland konzentriert sind. In dem in Österreich daraufhin eröffneten Sekundärinsolvenzverfahren wurde der Klagenfurter Rechtsanwalt Dr. Herbert Felsberger zum Masseverwalter bestimmt. ++++

++++ Ausruhen kann sich schließlich auch Schultze & Braun-Anwalt Stefano Buck nicht – obwohl er Anfang Juli vom Amtsgericht Offenburg zum vorläufigen Verwalter der Matratzen- und Polstermöbelfabrik Hukla-Werke GmbH aus dem badischen Gengenbach bestellt wurde. Die 1.250 Mitarbeiter des größten Polstermöbelherstellers Europas wurden laut Buck zuletzt faktisch von dem bisherigen Gesellschafter Hans-Jürgen Klaussner persönlich bezahlt – 75 Millionen Euro habe er insgesamt zur Erhaltung der Hukla-Werke aufgebracht. Es hat nicht gelangt. Ein neuer Geschäftsführer brachte das Ausmaß der Krise ans Tageslicht. „Frühzeitig“ wurde dann Insolvenzantrag gestellt, teilte Buck mit. ++++

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