Kommentar

Halbe Rolle rückwärts

Die neuen Chefs wollen Steuer- und Rechtsberatung bei PricewaterhouseCoopers (PwC) wieder auf die Spur setzen. Klare Ideen gibt es – und eine große Unbekannte.

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Tritt ein neuer Managing-Partner seinen Dienst an, sagt er normalerweise, dass er den erfolgreichen Kurs seines Vorgängers fortsetzen will. Normalerweise. Der neue für Steuern und Recht zuständige Geschäftsführer von PricewaterhouseCoopers, Björn Viebrock, und der neuen PwC Legal-Chef, Daniel Kast, tun das nicht. Vielmehr distanzieren sie sich im JUVE-Interview von ihren Vorgängern so stark, wie es die kanzleiinterne Diplomatie gerade noch zulässt.

Für die Steuerberatung relativiert Viebrock den bisherigen Anspruch, die Nummer eins in Deutschland zu werden. Und für die Rechtsberatung räumen Viebrock und Kast ein, dass es ein Fehler war, die für PwC sehr wichtige Public-Sector-Beratung in Steuern und Recht aufzuteilen. Vielmehr sei „die integrierte Betrachtung von Steuern und Recht“ für die öffentliche Hand „unabdingbar, Multidisziplinarität ist oftmals auch in einer Person erforderlich, um überhaupt Verständnis für Probleme zu schaffen“, geben sie zu Protokoll. Viebrock und Kast wissen, dass der Umsatz vor zwei Jahren vor allem deshalb eingebrochen ist, weil eine Vielzahl von Public-Teams die Big-Four-Gesellschaft in Richtung Konkurrenz verlassen hat.

Mit der Konkurrenz befasst sich PwC gerade in mehrfacher Hinsicht. So wollen die Manager sich durch eine klare Fokussierung auf Managed-Service-Geschäft im Kanzleimarkt durchsetzen. Zudem wollen sie den Moment der Stunde nutzen, um Beraterinnen und Berater von der Big-Four-Konkurrentin Ernst & Young (zurück) zu gewinnen.

Allerdings: Wie lange PwC selbst von Trennungsdiskussionen verschont bleibt, ist trotz des klaren Bekenntnisses zum One-Firm-Ansatz im aktuellen Marktumfeld kaum vorhersehbar.

Das Interview mit Björn Viebrock und Daniel Kast lesen Sie hier.

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