Kommentar

Geld ist wichtig, Soft Skills sind wichtiger

Rekordgehälter boostern die Zufriedenheit der Associates nur kurz. Nachhaltig wirken sie nicht. Kanzleien könnten das Geld sinnvoller investieren.

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Falls die Energiekrise die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr in eine Rezession bringt, könnten die Beziehungen zwischen den Kanzlei-Chefetagen und ihrem Fußvolk erheblich leiden. Die hohen Gehälter erhöhten zuletzt nicht nur den Druck auf die Associates, schön fleißig zu arbeiten und viele Stunden abzurechnen. Sie setzen auch die Partnerinnen und Partner unter Druck, ihre Mitarbeitenden voll auszulasten. Sind dafür genug Transaktionsmandate im Markt?

Dass gerade ein bisschen viel Druck im System Kanzlei entsteht, ist nur eine These – aber mit den hohen Belastungsfaktoren steigt immerhin die Gefahr, dass gerade die als ‚Sweat Shops‘ verschrienen Einheiten ihre teuer rekrutierten Associates schnell wieder verlieren. Manch ein Partner von US-Kanzleien gibt zu, dass es ihm trotz der exorbitanten Gehälter zunehmend schwerfällt, sein Team zu motivieren und zu halten. Denn viel verdienen können die jungen Juristinnen und Juristen auch in Kanzleien mit anderer Struktur, wie Freshfields’ jüngster Gehaltsaufschlag unterstreicht.

Alles deutet darauf hin, dass die Lösung doch im nicht monetären Bereich liegt: in einer anderen Verteilung der finanziellen Aufwendungen in Richtung Ausbildung, konsequente Digitalisierung, interne Know-how-Weitergabe und flexiblere Arbeitsmodelle. All das kostet Geld, ist aber mittel- und langfristig vermutlich die bessere Investition, um bindungswillige Associates zu überzeugen.

Und nicht wenige Führungskräfte würden davon profitieren, wenn sie selbst an dem ein oder anderen Leadership-Training teilnehmen, dass sie normalerweise den Associates spendieren. Es leben die Soft Skills!

Der Kommentar stammt aus der aktuellen Ausgabe 01/2023 des JUVE Rechtsmarkt. Hier findet sich auch der Beitrag zumThema Associatevergütung, der zum Einzelabruf in unserem Kiosk zur Verfügung steht.

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