Interview

„Der DAV muss dringend renoviert werden“

Die Branche diskutiert darüber, ob Wirtschaftsanwälte eine eigene Interessensvertretung benötigen. Viele trauen dem DAV nicht zu, dass dieser die spezifischen Themen wirkungsvoll zu Gehör bringt. JUVE sprach darüber mit Dirk Uwer, Partner bei Hengeler Mueller, und Mitglied des Vorstands der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf sowie des Berufsrechts- und des Europa-Ausschusses des Deutschen Anwaltvereins.

Teilen Sie unseren Beitrag
Dirk Uwer

JUVE: Wo genau liegt das Problem der Wirtschaftskanzleien mit dem Deutschen Anwaltverein (DAV)?

Prof. Dr. Dirk Uwer: Das bestehende institutionelle Set-up des DAV macht es Wirtschaftskanzleien sehr schwer, ihren Interessen unmittelbar Gehör zu verschaffen, geschweige denn in Vorstand und Präsidium angemessen vertreten zu sein. Der DAV ist als Dachverband der örtlichen Anwaltvereine verfasst, Wirtschaftskanzleien können ihm deshalb nicht unmittelbar angehören.

Könnten sich Wirtschaftskanzleien nicht in den örtlichen Anwaltvereinen stärker einbringen, damit ihr Einfluss im Dachverband zunimmt?

Die örtlichen Anwaltvereine verlangen regelmäßig eine Mitgliedschaft des einzelnen Anwalts und sehen nur vereinzelt und sehr begrenzt korporative Mitgliedschaften vor. Sie beschränken zudem ihre Aktivitäten neben der Pflege von Brauchtum und Geselligkeit, die mit der immer stärkeren Diversifizierung und Heterogenität der Anwaltschaft an Bedeutung verlieren, vielfach auf Serviceleistungen für die Praktiker im Bezirk, etwa Post- und Transportdienste, die Organisation von Terminsvertretungen und Ähnliches. Die Wirtschaftskanzleien haben dafür keinen Bedarf und daran kein Interesse. Berufspolitische Impulse setzen die Anwaltvereine kaum, noch weniger solche mit Relevanz für Wirtschaftskanzleien.

Wie ließe sich das ändern?

Will der DAV nicht diejenigen, die für den ökonomisch signifikantesten Teil des Rechtdienstleistungsmarktes stehen, an alternative Organisationen verlieren, müssen Struktur und Governance des DAV dringend renoviert werden. Zu den drängendsten Aufgaben gehören die Auflösung der Dachverbandsstruktur, eine pluralistische und transparente Besetzung des Vorstands, die Professionalisierung der Vorstandsarbeit bei gleichzeitiger Stärkung der hauptamtlichen Geschäftsführung und der Autonomie der sogenannten Gesetzgebungsausschüsse. Schließlich strengere Inkompatibilitätsregelungen für Funktionäre der Anwaltskammern.

Viele Anwälte klagen: Wirtschaftskanzleien haben kein gemeinsames Sprachrohr und sind politisch zu schlecht vernetzt. Warum nun trotzdem nicht alle applaudieren, wenn ein Lobbyverband gegründet werden soll, steht im neuen ‚JUVE Rechtsmarkt‘.JUVE Rechtsmarkt (Paid Content).

Artikel teilen