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08.11.2010

Hapag-Lloyd erfolgreich refinanziert

Die angeschlagene Reederei Hapag-Lloyd hat sich erfolgreich refinanziert. Dazu platzierten die Hamburger eine Unternehmensanleihe in Höhe von umgerechnet insgesamt rund 910 Millionen US-Dollar am Kapitalmarkt. Zudem erhielt der Konzern eine syndizierte Kreditlinie über 360 Millionen US-Dollar. Die Anleihe teilt sich in zwei Tranchen – mit Volumina von insgesamt 480 Millionen Euro und 250 Millionen US-Dollar. Die Euro-Anleihe belief sich ursprünglich auf 330 Millionen Euro und wurde Ende Oktober, nur wenige Wochen nach der Platzierung, um 150 Millionen Euro aufgestockt. Die Anleihe wendet sich an institutionelle Investoren in Europa sowie den USA dar und wird an der Luxemburger Wertpapierbörse gelistet. Laut Unternehmensangaben war ein Gesamtausgabevolumen von 500 Millionen US-Dollar angedacht gewesen und aufgrund der hohen Nachfrage um 200 Millionen US-Dollar erhöht worden. Die Finanzierung der Unternehmensanleihe übernahm Marktinformationen zufolge ein Konsortium aus der Deutschen Bank als Konsortialführerin, Unicredit, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs sowie J.P. Morgan. Weiter heißt es, dass unter der Führung der Unicredit dieselbe Gruppe gemeinsam mit der HSH Nordbank die syndizierte Kreditlinie finanzierte. Die beiden Maßnahmen sind wichtige Teile eines umfangreichen Refinanzierungsplans, auf den sich die Eigner der Reederei, Tui und das Albert-Ballin-Konsortium, geeinigt hatten. Voraussetzung dafür war die bereits erfolgte Rückgabe der Staatsbürgschaft von 1,2 Milliarden Euro. Dadurch sind die Zahlungsbeschränkungen, die mit der Bürgschaft einhergingen, erloschen und Hapag-Lloyd ist wieder in der Lage, ihre von Tui bereitgestellten Darlehen zu bedienen. In finanzielle Probleme war die Reederei zuletzt aufgrund der drastischen Mengen- und Frachtratenrückgänge in der Containerschifffahrt geraten. So ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 der EBITA um 150 Prozent auf ein Minus von 58 Millionen Euro abgestürzt. Mitte 2009 hatten sich die Hapag-Lloyd-Konsorten auf eine Kapitalerhöhung von 750 Millionen Euro geeinigt, um die Reederei zu stützen. (pke)

Rüdiger Malaun
Rüdiger Malaun

Unternehmensanleihe

Berater Hapag-Lloyd
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Rüdiger Malaun (Federführung), Rudolf Haas (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Götz Wiese (Steuerrecht; Hamburg); Associates: Fabio Diminich, Katie Rosen (beide London), Boris Gorodinsky, Dr. Julius Neuberger (alle Kapitalmarktrecht; München)
Inhouse (Hamburg): Thomas Mansfeld (Leiter Recht), Beate Flach, Henning Wiese – aus dem Markt bekannt

Berater Banken
Cravath Swaine & Moore
(London): Philip Boeckman, Matthias Baudisch – aus dem Markt bekannt
Inhouse
(Unicredit; München): Adrian Schäfer, Matthias Preisser – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Deutsche Bank; London): Chronis Anoustes, Ayneric Maheg – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Citigroup; London): Tim Odey – aus dem Markt bekannt
Inhouse (J.P. Morgan): Laurel Hurst (London), Lori Arz (New York) – aus dem Markt bekannt
Inhouse
(Credit Suisse; London): Aparna Ravi – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Goldman Sachs; London): Lisa Gan, Nina Navid – aus dem Markt bekannt

Kreditlinie

Berater Hapag-Lloyd
Allen & Overy (Frankfurt/London): Dr. Neil Weiand, Cathy Bell-Walker (beide Federführung; beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Helge Schäfer, Dr. Nicolaus Ascherfeld (beide Gesellschaftsrecht; beide Hamburg), Stefan Kuhm; Associates: Thomas Neubaum, Bianca Engelmann, Karen Cellarius (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Jonas Wittgens (Gesellschaftsrecht; Hamburg)
Inhouse (Hamburg): Thomas Mansfeld (Leiter Recht), Beate Flach, Henning Wiese – aus dem Markt bekannt

Berater Banken (inklusive HSH Nordbank)
Milbank Tweed Hadley & McCloy (Frankfurt): Dr. Thomas Ingenhoven (Federführung); Associates: Suhrud Mehta (London), Dr. Guido Jestädt, Dr. Oliver Hahnelt (alle Finance)

Hintergrund: Latham & Watkins stand bereits an der Seite des Albert-Ballin-Konsortiums, als dieses Hapag-Lloyd 2008 mehrheitlich von Tui übernahm. Die Kanzlei hatte das Mandat über einen Pitch gewonnen. Bei der Finanzspritze ein Jahr später begleitete hingegen Freshfields Bruckhaus Deringer das Konsortium mit Ausnahme von den Mitgliedern Klaus-Michael Kühne und M.M. Warburg. Logistikunternehmer Kühne, der dem Vernehmen nach lange seine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung verweigert haben soll, mandatierte die mittlerweile mit Gleiss Lutz fusionierte Boutique Rittstieg aus Hamburg. M.M. Warburg vertraute auf ihre Inhouse-Kompetenz.

Auch Allen & Overy zählt zur Beraterriege der Reederei. So hatte die Sozietät 2004 die Hapag Lloyd-Tochter VTG-Lehnkering beim Teilverkauf ihrer Logistikaktivitäten an den Finanzinvestor Triton Managers Limited beraten. Zu dem Team gehörte bereits damals der Hamburger Partner Schäfer. Freshfields stand bei diesem Deal auf der Gegenseite.

Die US-Kanzlei Cravath Swaine & Moore erscheint regelmäßig bei hiesigen Deals auf der Seite der Finanzierenden – seit vielen Jahren oft gemeinsam mit Hengeler Mueller. Beide berieten zum Beispiel im Frühjahr dieses Jahres gemeinsam ein Bankenkonsortium, das den Börsengang von Kabel Deutschland unterstützte. Dabei hatte sich die UBS mit der Deutschen Bank, Morgan Stanley sowie J.P. Morgan zusammengeschlossen, die nun auch bei der Refinanzierung für Hapag-Lloyd mit von der Partie waren. 2004 betreute die transatlantische Combo zudem die HSH Nordbank bei der milliardenschweren synthetischen Verbriefung von Schiffskrediten.

Bei diesen Deals waren die Londoner Cravath-Anwälte Boeckman und Baudisch jeweils von New York aus bereits tätig gewesen. So betreute Boeckmann die Börsengangfinanzierung, während Baudisch die HSH bei der Verbriefung von Schiffskrediten beriet. Laut Marktinformationen begleiteten die beiden nun die Finanzierung der Unternehmensanleihe von Hapag-Lloyd.

Milbank ist ebenfalls regelmäßig auf Geldgeberseite tätig. Der Frankfurter Partner Ingenhoven betreute Bankenkonsortien unter der Federführung der Commerzbank etwa bei einem Finanzierungspaket für den Prozess- und Labortechnologiker Sartorius in 2008 und ein Jahr später beim Verkauf der Stadtwerke-Holding Thüga.

Unicredit, die nun Konsortialführerin bei der Finanzierung der syndizierten Kreditlinie für Hapag-Lloyd war, wurde von Milbanks Main-Büro erst Anfang Oktober dieses Jahres beraten. Das Institut hatte die Führung innerhalb der Finanzierungsseite übernommen, als der britische Private-Equity-Investor Silverfleet die Schneider Versand Holding gemeinsam mit der Gründerfamilie Schneider und dem Management erworben hatte.

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