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25.01.2018

Premiere: Thailändischer Investor kauft Autozulieferer Küpper mit Rellermeyer

Der thailändische Investor PCS Machine Group kauft drei der insolventen Küpper-Werke in Deutschland sowie das Küpper-Werk in Ungarn. Küpper hatte im Mai 2017 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für ihre vier deutschen Standorte eingeleitet. Die Arbeitsplätze der rund 600 Mitarbeiter an den verkauften Standorten sollen erhalten bleiben. Seit 2014 gehörte Küpper zum indischen Amtek-Konzern.

Stefan Gröblinghoff

Stefan Gröblinghoff

Der börsennotierte thailändische Investor PCS Machine Group hat seinen Fokus in der Automobilindustrie und ist damit ähnlich aufgestellt wie Zulieferer Küpper. Für PCS ist es die erste Investition in Deutschland. Wie aus dem Markt bekannt wurde, soll der Kaufpreis im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Bei den drei verkauften deutschen Küpper-Standorten handelt es ich um die J. Küpper System- und Modultechnik mit rund 190 Mitarbeitern in Cunenwalde, die Zelter GmbH mit rund 160 Mitarbeitern in Hennef (Sieg) sowie die J. Küpper Metallbearbeitung mit rund 240 Mitarbeitern in Velbert. Den vierten insolventen Küpper-Standort in Heiligenhaus übernahm PCS hingegen nicht. Neben den deutschen Standorten kaufte PCS auch das ungarische Werk.

Küpper produziert vor allem Gehäuse und Module für Getriebe und Turbolader sowie Fahrwerks- und Lenkungsteile. Das 1921 gegründete Familienunternehmen beliefert einen Großteil der namhaften Autohersteller. 2014 übernahm der indische Automobilzulieferer Amtek die Gruppe, die damals rund 200 Millionen Euro umsetzte.

Die Expansionen der Amtek-Gruppe finanzierte teilweise als Kreditgeber der US-Investor KKR. Der indische Konzern geriet zuletzt, auch aufgrund der Expansionen, in eine finanzielle Schieflage. Neben Küpper meldeten auch weitere deutsche Unternehmen, die Amtek aufgekauft hatte, Insolvenz an. 

Das Amtsgericht Wuppertal bestellte Nikolaos Antoniadis im Sommer 2017 zum Sachwalter. Die Rechtsanwälte Dr. Jan Plathner und Dr. Bastian Messow von Brinkmann & Partner übernahmen als Generalbevollmächtigte zusammen mit den Sanierungsgeschäftsführern Hans-Jörg Gregel und Carsten Paris vom Finanzberater ICS Partners den Geschäftsbetrieb.

Die Küpper-Insolvenz zählt zu den 15 größten Insolvenzen des vergangenen Jahres.

Berater PCS Machine Group
RellermeyerPartner
(Düsseldorf): Dr. Stefan Gröblinghoff (Gesellschaftsrecht), Michael Weber (Arbeitsrecht); Associates: Miriam Wilmes (Gesellschaftsrecht)
MIZ Steuerberatung (Essen): Wilfried Düsing aus dem Markt bekannt
Noerr (Budapest): Dr. Zoltán Nádasdy – aus dem Markt bekannt

Berater Küpper-Gruppe und Generalbevollmächtigte
Brinkmann & Partner (München): Dr. Jan Plathner, Dr. Bastian Messow, Christoph Enkler (alle Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Anchor (Düsseldorf): Lars Hinkel (Arbeitsrecht)

Nikolaos Antoniadis

Nikolaos Antoniadis

Sachwaltung
Antoniadis & Ure (Düsseldorf): Nikolaos Antoniadis, Britta Hoff, Theresa Hansen, Ewald Ure (Steuerberater)

Berater Sachwalter
Taylor Wessing
(Budapest): Torsten Braner – aus dem Markt bekannt
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Matthias Kampshoff (Insolvenzrecht/Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: PCS setzte bei ihrer ersten Deutschlandinvestition auf die Düsseldorfer Kanzlei Rellermeyer. Der Kontakt kam über die Essener Steuerberater von MIZ zustande, die PCS Marktinformationen zufolge in Sachen Steuern berieten. Rellermeyer und MIZ arbeiten häufiger zusammen. Noerr kam für die Beratung zum Verkauf des ungarischen Küpper-Standortes hinzu.

Zu langjährigen Mandanten von Rellermeyer gehört neben dem Tankkartenanbieter DKV auch Tönnies. Den Fleischkonzern begleitete die Kanzlei etwa beim langjährigen Familienstreit um die Macht in der Tönnies-Führungsebene. 

Der erfahrene Sachwalter Antoniadis war bis 2015 in der Insolvenzkanzlei Metzeler von der Fecht tätig und machte sich nach der Auflösung der Kanzlei selbstständig. Zusammen mit dem Steuerberater und Sanierungsexperten Ewald Ure firmiert Antoniadis seitdem unter Antoniadis & Ure. Zum multidisziplinären Beratungsteam gehörten nun auch Raffaela Kuhstoß für Steuern und Dr. Sebastian Papst als Sanierungsexperte.

Unterstützung bekam Antoniadis bei der ungarischen Insolvenzverwaltung von Taylor Wessing in Budapest. Bei der Auseinandersetzung mit dem US-Gläubiger KKR war neben Antoniadis McDermott-Partner Kampshoff mit an Bord.

Wie aus dem Markt bekannt wurde, unterstützte PwC den M&A-Prozess auf Seite der Küpper-Gruppe mit Martin Schwarzer. Die erfahrenen Sanierer von Brinkmann sind unter anderem derzeit in das Insolvenzverfahren der Reederei Rickmers eingebunden. Neben Brinkmann beriet Anchor die Küpper-Gruppe und die Generalbevollmächtigten in arbeitsrechtlichen Fragen. Partner Lars Hinkel arbeitet häufig für Unternehmen in Krisensituationen an der Schnittstelle von Insolvenz- und Arbeitsrecht. (Helena Hauser)

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