Artikel drucken
25.10.2018

Waggonbauer Niesky: Aderhold-Mandantin kauft sächsisches Traditionsunternehmen aus Insolvenz

Der insolvente sächsische Waggonbauer Niesky (WBN) geht vollständig an den slowakischen Wettbewerber Tatravagónka. Dies bestätigte die zuständige Insolvenzverwalterkanzlei Wallner Weiß in Dresden. Damit der Kauf vollzogen werden könne, fehle es aber noch an der kartellrechtlichen Zustimmung. Sie wird in den kommenden Wochen erwartet. 

Bianca Böttcher

Bianca Böttcher

Der Traditionsbetrieb WBN Waggonbau Niesky, der auf eine über 100 Jahre alte Geschichte zurückschaut, hatte Ende 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden müssen. Die Produktion lief indes weiter, es konnten sogar neue Aufträge abgeschlossen werden.

Im Insolvenzverfahren zeigten neben den strategischen Investoren auch Finanzinvestoren Interesse an einer Übernahme des Geschäfts, das in der Region 300 Industriearbeitsplätze bereithält. Sie werden nun durch den Verkauf gesichert: Nach Angaben der IG Metall hat der slowakische Schienenfahrzeughersteller Tatravagónka WBN eine Beschäftigungs- und Standortsicherung für fünf Jahre gegeben.

Tatravagónka, das mehrheitlich dem Finanzinvestor Optifin Invest gehört, konstruiert und produziert Güterwagen und Drehgestelle. Es gilt als Europas größter Hersteller von Güterwagen mit Niederlassungen in Deutschland, Polen, Serbien und Indien. In Deutschland arbeitet die Tatravagónka bereits seit einigen Jahren eng mit dem Drehgestellhersteller ELH aus Halle zusammen.

Berater Tatravagónka
Aderhold (Leipzig): Bianca Böttcher (Federführung; Corporate/M&A), Patrick Klawa (Restrukturierung/M&A), Dirk Helge Laskawy (Arbeitsrecht), Dr. Steffen Rapp (Steuerrecht); Associates: Claudia Epler (Handels-/Gesellschaftsrecht), Peggy Lomb (Arbeitsrecht), Toni Woitke (Immobilienrecht)
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Alexander Rinne (Federführung); Associate: Dr. Katharina Kolb (beide Kartellrecht)
Inhouse Recht (Poprad): Miloš Čičmanec

Martin Heidrich

Martin Heidrich

Berater WBN Waggonbau Niesky/WBN Zwischenholding
Taylor Wessing (Hamburg): Dr. Martin Heidrich, Marco Hartmann-Rüppel (Kartellrecht), Dr. Jan Kern (Arbeitsrecht), Timo Stellpflug (Handels- und Vertragsrecht), Dr. Alexander Senninger (M&A/Restrukturierung), Dr. Jan Riebeling (M&A/Grundstücksrecht), Bernhard Kloft (Corporate/M&A), Dr. Daniel Graske (Grundstücksrecht)

Insolvenzverwalter WBN Waggonbau Niesky
Wallner Weiß (Dresden): Dr. Jürgen Wallner (Verwalter); Associates: Frank Renelt, Dennis Seifarth (beide Insolvenzrecht)

Insolvenzverwalter WBN Zwischenholding
White & Case (Hamburg): Bettina Schmudde (Verwalterin)

Hintergrund: Sowohl für die operative Niesky-Gesellschaft als auch für die darüber liegende Holdinggesellschaft, WBN Zwischenholding, die das Betriebsgrundstück besaß, hatte das Amtsgericht Dresden mit Wallner Weiß und White & Case jeweils verschiedene Insolvenzverwalter bestellt. Bereits im Februar holte Wallner wegen des anstehenden komplexen Verkaufprozesses, in dessen Rahmen es unter anderem die komplexen Verträge der Niesky Waggonbau weiterzuführen galt, den in der Insolvenzverwaltung erfahrenen Taylor Wessing-Partner Heidrich samt Team ins Mandat. Strategisch begleitete ein Team um KPMG-Partner Timo Klees den Verkauf an die Slowaken.

In dem Bieterverfahren zeigten sich zunächst über 40 Käufer interessiert an der Niesky Waggonbau. Nach einer Zwischenrunde verblieben noch 13 Bieter. Neben der slowakischen Tatravagónka war dem Vernehmen nach bis zuletzt noch die chinesische Staatsbahn im Rennen, die sich aber dem slowakischen Bieter von Tatravagónka geschlagen geben musste.

Tatravagónka setzte auf Aderhold, mit denen sie etwa im Handelsrecht bereits seit einiger Zeit zusammenarbeiten. Sie kamen auch ins Mandat, weil sie in Dresden über einen eigenen Standort verfügen und im Bereich der insolvenzbedingten Transaktionen viel Erfahrung mitbringen. Bei kartellrechtlichen Fragen greift Aderhold regelmäßig auf den Münchner Milbank-Partner Rinne zurück. Bekannt ist die Zusammenarbeit Rinnes mit dem ehemaligen Aderhold-Partner Dirk Lange. Zusammen kauften sie 2014 für die Unternehmerfamilie von Nathusius aus Sachsen-Anhalt die insolvente Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke. 2016 wechselte Lange zu SSP Law. Erstmals wurde Rinne nun von Aderhold-Partnerin Böttcher zu einem Transaktionsprozess hinzugezogen, die die Verhandlungen für die Slowaken federführend begleitete. (Martin Ströder, mit Material von dpa)

  • Teilen