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20.02.2019

Premiere: LBBW begibt mit Jones Day erstmals Geldmarktpapier allein via Blockchain

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Munich Ergo Assetmanagement (MEAG) haben erstmals eine rechtswirksame digitale Wertpapiertransaktion auf Blockchain-Basis ohne analogen Parallelprozess abgewickelt.

Ulf Kreppel

Ulf Kreppel

Die Emission erfolgte über die von der LBBW gesponsorte Verbriefungsplattform Weinberg Capital DAC und wurde von Moodys & Fitch begleitet, die das bestehende Rating der Papiere für den digitalen Emissionsprozess bestätigten. Bei dem Wertpapier handelt es sich um ein Asset-backed Commercial Paper (ABCP), also eine mit Handelsforderungen mittelständischer Unternehmen und Leasingforderungen unterlegte kurzfristige Schuldverschreibung. Als Investor agierte die MEAG, der Vermögensmanager von Munich Re und Ergo.

Der Kauf und die Rückzahlung des ABCP mit einem Volumen von einer Million Euro und einer Laufzeit von fünf Tagen erfolgte vollständig über die Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Ein paralleler analoger Prozess auf Papier wie bei den blockchainbasierten Schuldscheinen von Daimler und Telefónica, die die LBBW 2017 beziehungsweise 2018 arrangiert hatte, war bei der ABCP-Transaktion nicht nötig. Möglich wurde dies, da die Verbriefung der Assets in Token-Form über eine irische Emissionsplattform und damit nach irischem Recht stattfand.

Blockchain spart Zeit

Christoph Bastian

Christoph Bastian

Die Distributed-Ledger-Technologie reduziert die Transaktionsdauer von in der Regel zwei Tagen auf weniger als eine Stunde. Die Zeitersparnis ist darauf zurückzuführen, dass Intermediäre zwischen Emittent und Investor nicht mehr nötig sind, also Händler für die Zeichung und Zahlungsabwickler, eine Clearingstelle und eine Depotband für das Settlement gespart werden können. Sämtliche Buchungen werden in verketteten Datensätzen festgehalten und verschlüsselt auf mehreren Servern gespeichert, so die LBBW.

Auf der Weinberg DLT Plattform, der laut LBBW ersten digitalen Plattform für ABCP-Emissionen, können angeschlossene Investoren Commercial Paper direkt beim Emittenten zeichnen. Die Zuordnung des Wertpapiers zum Käufer wird als Token auf der Blockchain abgelegt und bei Zahlung sofort Zug-um-Zug zwischen den Parteien ausgetauscht. Die Ausführung erfolgt automatisiert über Smart Contracts. Damit werden das Erfüllungsrisiko sowie die operationellen Risiken bei der Abwicklung gesenkt, die aus dem bisher nötigen Datenaustausch zwischen mehreren Akteuren entstehen.

Nach der erfolgreichen ersten Transaktion arbeitet die LBBW nun daran, die Weinberg DLT Plattform weiterzuentwickeln, um sie schließlich für interessierte Investoren zu öffnen. Parallel dazu forciert die Landesbank auch die vollständige Digitalisierung des Schuldscheinprozesses via Blockchain.

Nick Wittek

Nick Wittek

Berater LBBW
Jones Day (Frankfurt): Ulf Kreppel, Dr. Nick Wittek (beide Federführung; beide Bank- und Finanzrecht), Ted Kroke (IT)
Inhouse Recht (Stuttgart): Monika Hackenberg, Dr. Christoph Bastian
Matheson (Dublin): Christian Donagh; Associate: Andrew Gill (beide Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Jones Day berät die LBBW seit einigen Jahren zu ihrem ABCP-Programm. Partner Wittek ist Teil der seit 2015 bestehenden kanzleiinternen globalen Blockchain-Task-Force und hat auch schon andere Banken sowie Unternehmen bei derartigen Transaktionen beraten.

Die irische Kanzlei Matheson kam unter anderem über eine Empfehlung von Jones Day ins Mandat. (Claudia Otto)

 

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