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23.09.2019

Luftfahrtzulieferer: Schulte Riesenkampff-Mandantin Hutchinson kauft PFW Aerospace

Die französische Hutchinson Aerospace hat den Speyerer Flugzeugzulieferer PFW Aerospace gekauft. Hutchinson, eine Total-Tochter, übernahm PFW Aerospace von den bisherigen Eigentümern Airbus und Safeguard, einem amerikanischen Private-Equity-Investor. Bis zuletzt war neben den Franzosen auch noch die Turkish Aerospace Industries im Rennen um die ehemalige DaimlerChrysler-Tochter. Der genaue Kaufpreis ist nicht bekannt, soll aber zwischen 300 bis 600 Millionen Euro liegen. 

Dr. Anne-Marie Peter

Anne-Marie Peter

Die Hutchinson-Gruppe ist eine der weltweit größten Zuliefererbetriebe für die Autoindustrie. Die Franzosen, die in Deutschland vor allem in Mannheim ansässig sind, stärken mit dem Zukauf ihre Tätigkeit für die Luftfahrtindustrie. Die knapp 2.000 PFW-Mitarbeiter in Speyer sowie an den Standorten in der Türkei und in Großbritannien erhielten von den Käufern weitreichende Jobgarantien bis 2026. Die Kartellämter müssen dem Kauf noch zustimmen.

Airbus, die 74,9 Prozent an PFW Aerospace halten und dessen größter Kunde sind, hatte dem Vernehmen nach bereits 2018 beschlossen, ihre Anteile an dem Unternehmen zu verkaufen. Der Flugzeughersteller war 2011 bei PFW Aerospace eingestiegen. Damals stand das Traditionsunternehmen, das auch Boeing mit Präzisionsteilen für diverse Flugzeugmodelle beliefert, vor der Pleite. Der langjährige Eigentümer Safeguard verkaufte deshalb eine Mehrheitsbeteiligung, behielt mit 25,1 Prozent allerdings die Sperrminorität.

Safeguard hatte den Betrieb, der damals noch Pfalz-Flugzeugwerke hieß, 2001 für 90 Millionen Deutsche Mark von den Mitarbeitern übernommen. Die waren 1996 für den symbolischen Wert einer Deutschen Mark in Besitz des Unternehmens geraten, das DaimlerCrysler im Rahmen des Sanierungsprogramms Dolores schließen wollte. Die Übernahme durch die Belegschaft erfolgte im Rahmen eines außergewöhnlichen Beteiligungsmodells. Vier Rechtsanwälte steuerten von diesem Zeitpunkt an das Unternehmen als Beirat der Mitarbeitergesellschaft.

Berater Hutchinson Aerospace
Schulte Riesenkampff (Frankfurt): Dr. Anne-Marie Peter (Corporate/M&A)

Eckart Gottschalk

Eckart Gottschalk

Berater Airbus
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Eckart Gottschalk (Corporate/M&A)
Flick Gocke Schaumburg (Frankfurt): Dr. Torsten Engers, Dr. Marcus Mick (beide Steuerrecht)

Berater Safeguard
Hogan Lovells (München): Ruth Zehetmeier-Müller (Corporate/M&A), Dr. Falk Loose (Steuerrecht); Associate: Solveig Polsfuß (Corporate/M&A)

Berater Turkish Aerospace Industries
GvW Graf von Westphalen (Düsseldorf): Helmut Kempf, Felix Wolf (München; beide Corporate/M&A)

Ruth Zehetmeier-Müller

Ruth Zehetmeier-Müller

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Über die Beziehung zwischen dem französische Zuliefererbetrieb und der Frankfurter Kanzlei Schulte Riesenkampff ist wenig bekannt. Die Kanzlei pflegt aber seit vielen Jahren gute Kontakte nach Frankreich. Die nun federführende Partnerin Peter leitet den French Desk.

Die Verkäufer griffen auf bekannte Berater zurück: CMS begleitete Airbus in der Vergangenheit bereits wiederholt. Partner Gottschalk beriet den Flugzeugbauer zuletzt 2018 beim Verkauf der Dornier Consulting an den Münchner Private-Equity-Investor Palero.

Auch Hogan Lovells-Partnerin Zehetmeier-Müller kennt Safeguard sowie PFW Aerospace bereits seit vielen Jahren. Sie begleitete Safeguard beim Einstieg von Airbus sowie bei der Übernahme des Unternehmens von den Mitarbeitern. Außerdem beriet sie gesellschaftsrechtlich zur Gründung der Mitarbeitergesellschaft, die die damalige DaimlerCrysler-Tochter übernahm.

Helmut Kempf

Helmut Kempf

An ihrer Seite stand regelmäßig der ehemalige Hogan Lovells-Partner Dr. Michael Witzel, der die Kanzlei 2010 verlassen hat. Witzel war neben Wolfgang Apitzsch von der Kanzlei Apitzsch Schmidt Klebe und Manfred Wissmann Mitglied des Beirats der Mitarbeitergesellschaft. Wissmann war bis 2006 Partner bei Rittershaus, eröffnete dann aber die Kanzlei WissmanLaw.

Den zweiten Bieter für das Unternehmen, Turkish Aerospace, beriet erneut Graf von Westfalen-Partner Kempf. Bereits 2016 stand Kempf an der Seite des Unternehmens, als es den Airbus-Zulieferer Grunewald aus Stade kaufte. (Martin Ströder)

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