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06.04.2020

Börsenrückzug: Axel Springer geht mit Freshfields und Hengeler ins Delisting

Nach rund 35 Jahren wird der Medienkonzern Axel Springer kein börsennotiertes Unternehmen mehr sein. Die Frankfurter Wertpapierbörse hat dem Antrag des Unternehmens auf Widerruf der Börsenzulassung stattgegeben. Springer-Aktien können ab morgen nicht mehr an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Der gesamte Börsenabgang dürfte Großaktionär KKR noch einmal gut 660 Millionen Euro kosten.

Andreas Fabritius

Andreas Fabritius

Das Delisting der Axel Springer SE war ursprünglich für den 4. Mai 2020 avisiert worden. Zuvor sollte am 22. April die Hauptversammlung über die Bühne gehen. Angesichts der Corona-Pandemie aber entschied sich der Vorstand, die Aktionärssitzung abzusagen und stattdessen den Börsenrückzug vorzuziehen. Die Frankfurter Wertpapierbörse stimmte dem Ansinnen zu, und die kleineren Börsen dürften dem Beispiel zeitnah folgen.

Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner sagte: „Der Abschied von der Börse läutet für uns eine neue Wachstumsphase ein. Sobald sich die Situation nach der Corona-Krise wieder normalisiert hat, werden wir unseren gesamten Fokus auf unser ambitioniertes Ziel legen, Weltmarktführer bei digitalem Journalismus und digitalem Classifieds zu werden.“ Der Springer-Konzern erwirtschaftet schon mehr als 70 Prozent seiner Umsätze im Digitalgeschäft. Insgesamt erzielte das Unternehmen 2019 einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro.

Neuer Großaktionär, neue Bündnisse

Im vergangenen Jahr hatte sich der US-Finanzinvestor KKR im Zuge eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebotes 44,28 Prozent des Grundkapitals von Axel Springer und der Stimmrechte gesichert. Pro Aktie legte er dafür 63 Euro auf den Tisch.

Nach Abstimmung mit den anderen Großaktionären – Alteignerin Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner – kündigte KKR dann Ende Januar ein öffentliches Delisting-Erwerbsangebot für Springer-Aktien an, zu genau dem gleichen Preis. Damals wurde Springer mit rund 6,8 Milliarden Euro bewertet, und etwa 9,7 Prozent der Anteile befanden sich noch im Streubesitz.
In der niederländischen Holdinggesellschaft Traviata, die als Bieterin auftrat, sind nun mindestens 45 Prozent der Anteilscheine gebündelt. Traviata gehört Fonds, die von KKR beraten werden, und hatte von der Unicredit Bank die erforderliche Finanzierungsbestätigung für die Transaktion vorgelegt.

Während Vorstand und Aufsichtsrat eine gemeinsame Stellungnahme abgaben, in der sie das Erwerbsangebot unterstützten, hatten die Betriebsräte von Axel Springer mitgeteilt, dass sie auf eine Stellungnahme zum zweiten Aktienkaufangebot der KKR verzichten. Zur ersten Offerte im Juli des vergangenen Jahres hatten der Konzern- und der Europa-Betriebsrat noch gemeinsam Position bezogen.

Andreas Austmann

Andreas Austmann

Berater KKR
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Andreas Fabritius (Federführung), Dr. Nicholas Günther, Dr. Heiner Braun; Associates: Julia Sellmann, Dr. Philipp Pütz, Dr. Mesut Korkmaz, Henri Conze, Thomas Schnülle-Weingart (alle Corporate/M&A)

Berater Axel Springer SE
Hengeler Mueller
(Düsseldorf): Dr. Andreas Austmann, Dr. Carsten Schapmann; Associates: Dr. Adrian Cavin, Dr. Jesco Lindner (alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Freshfields wie Hengeler sind sowohl mit dem Springer-Konzern als auch mit der zukaufenden Private-Equity-Investorin KKR seit Jahren vertraut. Beide Teams waren schon zum ersten Akt der mehrteiligen Transaktion im vergangenen Jahr mandatiert worden.

Aus dem Springer-Vorstand hatte CFO Dr. Julian Deutz die Delisting-Vereinbarung federführend mit der Bieterin ausgehandelt. Die zu Rate gezogene Springer-Rechtsabteilung wird seit 2012 von Dr. Konrad Wartenberg geführt. Die gemeinsame Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat dürfte mithilfe von Hengeler Mueller erstellt worden sein, ebenso wie ein veröffentlichter Nachtrag. Dieser bezog sich auf einen virtuellen Aktienoptionsplan, den Technikvorständin Dr. Stephanie Caspar 2019 genutzt hatte und der noch Haltefristen enthielt.

Beim Unternehmen selbst gibt es demnächst Veränderungen: Jurist Dr. Andreas Wiele, seit März 2018 Vorstand Classifieds Media und somit für Geschäftsmodelle bei Stellen-, Immobilien- oder Autoanzeigen zuständig, wird Ende Mai 2020 aus dem Gremium ausscheiden. Wie es heißt, werde Wiele zukünftig direkt KKR als Senior Advisor zur Verfügung stehen. (Sonja Behrens, mit Material von dpa)

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