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15.05.2020

Verkauf aus Gruppeninsolvenz: Bridgestone kauft Fintyre-Tochter Reiff Reifen

Der japanische Reifenhersteller Bridgestone hat die Fintyre-Tochter Reiff Reifen und Autotechnik gekauft. Durch die Übernahme sollen alle 42 Standorte des Reifenhändlers sowie mehr als 500 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Reutlingen war eine Kerngesellschaft der angeschlagenen Fintyre-Gruppe. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. 

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Maximilian von Mangoldt

Fintyre gehört zu den größten Reifenhändlern Europas und machte zuletzt einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Anfang Februar hatten 16 deutsche Tochtergesellschaften des britischen Unternehmens Insolvenz angemeldet. Die einzelnen Verfahren laufen als Gruppeninsolvenz am Amtsgericht Frankfurt, Miguel Grosser von der Insolvenzkanzlei Jaffé wurde für alle Gesellschaften als Verwalter bestellt und leitete die Investorensuche ein.

Die deutsche Fintyre-Gruppe setzt sich aus Groß- und Einzelhandelsunternehmen zusammen. Investoren interessieren sich dem Vernehmen nach bisher vor allem für die Einzelhandelssparte. Zu den Interessenten an Reiff Reifen soll neben Bridgestone auch der deutsche Automobilzulieferer Continental gehört haben.

Nach Reiff Reifen wurden inzwischen mit dem Einzelhandels- und Serviceunternehmen Duro Reifenservice sowie dem Onlinehändler Reifen 24 auch zwei weitere Gesellschaften von Investoren übernommen.

Berater Bridgestone 
EY Law: Dr. Torsten Göcke (Federführung; M&A, Restrukturierung; Berlin), Bärbel Kuhlmann (Arbeitsrecht; Frankfurt), Stefanie Rzeniecki (Immobilienrecht), Jyn Schulze-Melling (Datenschutz; beide Berlin), Marcus Mayer (Kartellrecht; Stuttgart); Associates: Kristian Dupper (Insolvenzrecht), Alexander Wolff (M&A), Julia Wiencke (IP/IT), Björn Bradatsch (Immobilienrecht), Philipp Weis (M&A; alle Berlin), Thomas Barth (Arbeitsrecht; Frankfurt), Ricarda Neukam (IP/IT; München) − aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht: Jonas Oetken, Simon Read − aus dem Markt bekannt

Insolvenzverwaltung
Jaffé (Frankfurt): Miguel Grosser, Dr. Michael Schuster (Federführung Insolvenz- und Sicherheitenrecht; München), Alexander Jacobi (Insolvenzrecht; Köln), Dr. Michael Jaffé (Insolvenzrecht; München), Salvatore Pomillo (Insolvenzrecht), Bertram Pörschke (Vertragsrecht; Köln)

Berater Fintyre
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Maximilian von Mangoldt (Federführung; M&A, Restrukturierung), Dr. Lorenzo Matthaei (Insolvenzrecht); Associates: Lisa Alp, Dr. Lukas Herbert, Robert Jödicke − aus dem Markt bekannt
PricewaterhouseCoopers (Frankfurt): Timo Klees, André Bäcker, Fabian Dalka, Julia Kriegsmann; Associates: Felix Lenk, Florian Wachter, Julien Bünder, Florian Middelkamp, Luca Hannemann − aus dem Markt bekannt

Torsten Göcke

Torsten Göcke

Berater Banken
Allen & Overy: Dr. Franz-Bernhard Herding (Federführung; Bank- und Finanzrecht, Restrukturierung), Dr. Christopher Kranz (Insolvenzrecht; beide Frankfurt), Tim Crocker (Bank- und Finanzrecht, Restrukturierung; London), Stefano Sennhauser (Bank- und Finanzrecht, Restrukturierung, Mailand); Juri Bettinelli (Restrukturierung; Mailand); Associate: Adam Watterson (Bank- und Finanzrecht, Restrukturierung; London) − aus dem Markt bekannt

Berater U.S. Bank Trustees Limited
Ashurst: Alexander Ballmann, Dr. Karsten Raupach (beide Restrukturierung; München), Detmar Loff (Regulatory; Frankfurt), Malcolm Charles (Finanzierung; London); Associates: Anna Geissler (Restrukturierung; München), Dr. Ralf Stenger (Finanzierung; München), Tobias Bauerfeind (Regulatory; Frankfurt), Ciaran Vinaccia (Finanzierung; London)

Timo Klees

Timo Klees

Hintergrund: Finkenhof berät Fintyre seit Mitte 2019 und ist damals über einen Kontakt im Unternehmen in das Mandat gekommen. Der federführende Corporate-Partner von Mangoldt und der insolvenzrechtlich beratende Partner Matthaei sind ein eingespieltes Team. Beide gründeten zusammen mit Stephan Strumpf Anfang 2015 die Kanzlei Finkenhof, zuvor war von Mangoldt bei Gleiss Lutz und Matthaei bei Wellensiek. Gemeinsam berieten sie unter anderem Anfang 2019 den Insolvenzverwalter des VW Zulieferers SAM. Aktuell berät das Duo auch die Private-Equity-Gesellschaft Perusa zur Insolvenz der Restaurantkette Maredo.

PwC war für die Durchführung des internationalen Bieterverfahrens zuständig. Das Team arbeitete geteilt: Eine Gruppe unter Leitung von Partner Klees beschäftigte sich mit Distressed-M&A-Aspekten, während ein Team unter Federführung von Partner Bäcker die Liquiditäts- und Investorenplanung übernahm. Klees und Bäcker leiten zusammen mit Dr. Frank Girotto das insolvenznahe Beratungsgeschäft der WP-Gesellschaft. Vor ihrem Wechsel zu PwC im April 2019 waren beide Partner bei der Big-Four-Konkurrentin KPMG.

EY-Partner Göcke begann seine Karriere 2011 bei Hengeler Mueller, wo er einen Schwerpunkt auf Insolvenz- und Restrukturierungsthemen legte. In dieser Zeit gehörte er etwa dem Team an, das die Deutsche Lufthansa beim Kauf von Teilen der insolventen Air Berlin beriet. Im September 2018 wechselte Göcke zu EY Law und übernahm dort die Leitung der Restrukturierungspraxis. Kürzlich beriet er unter anderem in einem Team um Dr. Jan Feigen den Digitalmanager Arist von Harpe beim Kauf der Regionalzeitung Hamburger Morgenpost von der DuMont-Mediengruppe.

Franz-Bernhard Herding

Franz-Bernhard Herding

Allen & Overy berät ein Konsortium europäischer Banken, aus dessen Reihen die Kanzlei für das Mandat empfohlen wurde. Wie aus dem Markt zu hören ist, besteht die Finanzierungsstruktur aus den Betriebsmittelfinanzierungen des Bankenkonsortiums sowie aus langfristigen Finanzierungen durch GSO Capital Partners. Der zu Blackstone gehörende Vermögensverwalter ist der größte Fremdkapitalgeber von Fintyre. Dem Vernehmen nach berät ein Team von White & Case um den Hamburger Partner Riaz Janjuah GSO.

Das Team von Ashurst berät U.S. Bank Trustees Limited als Sicherheitenagent. Das Mandat kam durch eine bereits länger bestehende Mandatsbeziehung des Londoner Partners Malcolm Charles zustande.

Ebenfalls in einem Insolvenzverfahren befindet sich die britische Holding Fintyre Group Limited, zwei Londoner Deloitte-Partner sind als Verwalter tätig. Die italienische Holding Fintyre S.p.A konnte eine Insolvenz bisher abwenden und führt dem Vernehmen nach derzeit unter anderem noch Verhandlungen mit Warenlieferanten. Diese werden allerdings durch die Corona-Krise verlangsamt. Neben einem separaten Team von Deloitte setzt die italienische Gesellschaft laut Marktinformationen auch auf die Mailänder Kanzlei Gattai. (Dennis Koch)

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