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28.04.2021

Tengelmann-Streit: Erste Einigung zum Milliardendeal mit Binz und Gauweiler erzielt

Drei Jahre nach dem Verschwinden des Milliardärs Karl-Erivan Haub zeichnet sich eine Einigung im Familienstreit bei Tengelmann ab. Die Familienstämme von Karl-Erivan Haub und Christian Haub hätten in einer Absichtserklärung vereinbart, dass die Erben von Karl-Erivan Haub ihre Anteile an der Tengelmann Warenhandels-KG an den Bruder des Verschollenen, den derzeitigen Konzernchef Christian Haub, verkaufen, teilten die Rechtsanwälte beider Seiten mit.

Mark Binz

Mark Binz

Zum Kaufpreis machten sie keine Angaben. Doch hatte Christian Haub bereits Ende vergangenen Jahres dem Vernehmen nach ein Angebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile seines verschollenen Bruders vorgelegt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll den Firmenwert auf rund 4 Milliarden Euro taxiert haben. Der Nettoumsatz der Firmengruppe, zu der unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören, lag vor der Corona-Pandemie noch bei rund 8 Milliarden Euro.

Angestrebt werde nun, „den vereinbarten Anteilskauf noch im Mai zu beurkunden und zu vollziehen“.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war im April 2018 in der Schweiz allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er tödlich verunglückte. Er könnte im Mai für tot erklärt werden, nachdem das Kölner Amtsgericht im März das Aufgebot im sogenannten Todeserklärungsverfahren erließ. Katrin Haub als Ehefrau und Abwesenheits-Pflegerin von Karl-Erivan Haub und ihre Kinder Viktoria und Erivan Haub hatten sich im Februar überraschend den Anträgen auf Todeserklärung angeschlossen, die zuvor andere Familienmitglieder und das Unternehmen selbst gestellt hatten. Dies wurde schon als Ausgangspunkt für eine mögliche Einigung der familiären Streitparteien gewertet.

Peter Gauweiler

Peter Gauweiler

Dass um die Neuverteilung der Macht in dem milliardenschweren Handelskonzern gerungen wurde, spiegelte sich unter anderem in Auseinandersetzungen um die Besetzung des einflussreichen Tengelmann-Beirats wider. Dazu ist aktuell noch ein Verfahren am Oberlandesgericht Düsseldorf anhängig, das im späteren Frühjahr entschieden werden soll.

Ein weiterer Knackpunkt waren die Erbschaftsteuerzahlungen, die auf die Kinder von Karl-Erivan Haub in dreistelliger Millionenhöhe zukommen werden, sobald ihr Vater für tot erklärt ist. Bislang gehörte der Familienkonzern jeweils zu gut einem Drittel dem verschollenen Karl-Erivan und dem gegenwärtigen Chef Christian Haub. Die restlichen Anteile gehören dem dritten Bruder Georg Haub.

Berater Christian Haub (CEO der Tengelmann Twenty-One KG)
Binz & Partner (Stuttgart): Prof. Dr. Mark Binz (Corporate)

Berater Katrin Haub, Viktoria Anna-Katharina Haub und Erivan Karl-Christopher Haub
Gauweiler & Sauter (München): Dr. Peter Gauweiler (Corporate)

Hintergrund: Binz, Gründer der gleichnamigen Stuttgarter Corporate-Boutique, hatte schon Mitte des vergangenen Jahres seine Mandatsarbeit für den Tengelmann-CEO aufgenommen. Der Gesellschaftsrechtler hatte zunächst zahlreiche Register gezogen, um die Position seines Mandanten zu untermauern. Dazu gehörte auch der Antrag beim Amtsgericht Köln Anfang Oktober, den Vermissten für tot erklären zu lassen.

Gleichzeitig kam für die Familie des Verschollenen dann der bekannte Münchner Prozessrechtler Gauweiler ins Spiel.

„Wir haben sehr harte Verhandlungen geführt“, teilten die Rechtsanwälte in ihrer Erklärung mit. Beide waren in ihrer Laufbahn schon in einige prominente Gesellschafter- und Erbstreitigkeiten eingebunden. Binz vertritt aktuell beispielsweise auch Janine Schlemmer, eine Nachfahrin des Malers Oskar Schlemmer, die sich gegen die Zwangversteigerung von zahlreichen Werken wehrt. Gauweiler hingegen erzielte jüngst für Kinder der Unternehmerfamilie Meggle einen Vergleich im Erbstreit vor dem Landgericht Traunstein.

Im Streit um die Gremienbesetzung bei Tengelmann vertraut der Familienstamm des Verschollenen weiterhin auf ein Kölner Team von CMS Hasche Sigle, das von dem Gesellschaftsrechtler Dr. Daniel Otte und dem Prozessanwalt Dr. Ralph Drouven geleitet wird. Das Unternehmen lässt sich in dieser Frage von Hengeler Mueller-Partner Dr. Christian Wentrup vertreten.

Für die weitere Antragstellung beim Amtsgericht – im Namen von Katrin Haub und ihren Kindern – war dem Vernehmen nach PwC Legal-Partnerin Susanne Thonemann-Micker zuständig, die regelmäßig mit Vermögens- und Unternehmensnachfolgeplanungen befasst ist.

An der Seite des dritten Bruders Georg Haub wurde zuletzt primär Morgan Lewis & Bockius-Partner Dr. Ulrich Korth gesehen. In den Hintergrund getreten ist hingegen der Stuttgarter Litigation-Experte Prof. Dr. Matthias Schüppen, der – als Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater qualifiziert – häufig zu komplexen Bewertungsfällen hinzugezogen wird. (Sonja Behrens, Marc Chmielewski; mit Material von dpa)

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