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21.05.2021

Im Aufwind: Condor mit neuem Investor und neuer Rechtsleiterin

Der staatlich gestützte Ferienflieger Condor hat eine neue Mehrheitseigentümerin gefunden. Der Londoner Finanzinvestor Attestor Capital soll 51 Prozent der Anteile übernehmen und zusätzlich in das Unternehmen investieren. Vor wenigen Wochen gab es außerdem einen Wechsel an der Spitze der Rechtsabteilung von Condor: Seit Anfang Mai verantwortet die ehemalige Noerr-Anwältin Isabel Giancristofano die Rechtsgeschäfte.

Isabel Giancristofano

Isabel Giancristofano

Der neue Miteigentümer Attestor werde 450 Millionen Euro frisches Eigenkapital einbringen, von denen 250 Millionen Euro in eine neue Langstreckenflotte fließen sollen. Sämtliche 4050 Arbeitsplätze blieben erhalten, hieß es.

Die Bundesrepublik und das Land Hessen wollen den Neustart unterstützen, indem sie auf die Rückzahlung von 150 Millionen Euro aus dem KfW-Kredit über 550 Millionen Euro verzichten, mit dem sich Condor bislang in der Luft hält. Dies steht wie die wettbewerbsrechtlichen Fragen aber noch unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die Europäische Union. Condor rechnet in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen mit den Genehmigungen.

Die 65 Jahre alte Condor sei mehrmals durch den „Perfect Storm“ gegangen, sagte ein Vertreter von Attestor, der nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 5,5 Milliarden Euro betreut, das überwiegend von Universitätsstiftungen und Familiengesellschaften stamme. Er spielte damit auf die Pleite der einstigen Condor-Mutter Thomas Cook im Jahr 2019 an und auf die nachfolgenden Wirren der Airline in der Corona-Krise.

Christopher Wolff

Christopher Wolff

Nach dem überraschenden Rückzug des polnischen Investors PGL war Condor im Jahr 2020 in einem verlängerten Schutzschirmverfahren umfassend saniert worden. Eigentümer war nach Verlassen der Insolvenz im Dezember die Treuhandgesellschaft SG Luftfahrt, die sämtliche Geschäftsanteile an die staatliche KfW verpfändet hat. Die SG-Gesellschaft bleibt mit 49 Prozent zunächst Minderheitsgesellschafter bei der Condor.

Attestor beabsichtige, auch diese Anteile zu übernehmen, erklärte Fonds-Vertreter Friedrich Andreae. Man sehe das Unternehmen als langfristiges Investment. Der Verkauf war nach einem Bieterprozess zustande gekommen. Insidern zufolge soll unter anderem Bain Capital Interesse gezeigt haben.

Dass der Wettbewerb nach Corona noch härter werden dürfte, zeigte sich in einem Manöver der ebenfalls vom Staat geretteten Lufthansa, die im Herbst einseitig den langjährigen Vertrag über Zubringerflüge zu den Condor-Starts in Frankfurt kündigte. Nach erheblichem Druck aus Brüssel und vom Bundeskartellamt wurde die Vereinbarung dann doch noch um ein Jahr bis in den Mai 2022 verlängert. Der Lufthansa-Konzern will selbst stärker in das von Condor betriebene Geschäft mit touristischen Langstreckenflügen einsteigen.

Berater Attestor
Paul Hastings (Frankfurt): Dr. Christopher Wolff (Federführung), Lars Jessen, Martin Prokoph (alle Corporate/M&A), Dr. Fritz Kleweta (Bank-und Finanzrecht), Uwe Halbig (Steuern), Dr. Jan Gernoth; Associates: Hannes Riedel (beide Immobilienrecht), Markus Hiebel, Christine Papadimitriou, Caroline Keferstein (alle Corporate/M&A), Yassin Berrou (Bank-und Finanzrecht)
Redeker Sellner Dahs (Brüssel): Dr. Andreas Rosenfeld (Beihilfen- und Kartellrecht), Dr. Simone Lünenbürger (Beihilfenrecht)

Thomas Hoffmann

Thomas Hoffmann

Berater Condor
Inhouse Recht (Neu-Isenburg): Isabel Giancristofano (Leiterin Recht), Dr. Alexander Stein (Head of Legal – Commercial)
Noerr: Dr. Thomas Hoffmann (Federführung; Restrukturierung; Frankfurt), Marlies Raschke (Insolvenzrecht; Dresden ), Sarah Blazek (Beihilferecht; München), Dr. Andrea Braun (Restrukturierung; Frankfurt), Georg Edelmann (Steuern; München), Dr. Dorian Legel (Finanzierung), Dr. Till Kosche (M&A; beide Frankfurt), Dr. Hans-Christoph Schimmelpfennig (Arbeitsrecht; München), Dr. Kathrin Westermann (Kartellrecht; Berlin), Dr. Dr. Claus Zimmermann (Außenwirtschaftsrecht; Brüssel); Associates: Sabrina Lux (Restrukturierung; Frankfurt), Dr. Daniel Dommermuth (Arbeitsrecht; München), Eike Hofmann (Corporate; Dresden)
Cooley (Brüssel): Alexander Israel; Associate: Jan Lang (beide Kartellrecht)

Berater KfW
Linklaters (Frankfurt): Dr. Sabine Vorwerk (Restrukturierung/Insolvenz), Marc Trinkaus (Bank- und Finanzrecht) Ulrich Wolff (Corporate), Jördis Heckt-Harbeck (Kapitalmarktrecht); Associates: Dr. Michael Rickert (Restrukturierung/Insolvenz), Falk Müller-Braun (Bank- und Finanzrecht), Dr. Christoph Tamcke (Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Klaus Hellermann

Berater Bundesrepublik Deutschland/Bundesministerium für Wirtschaft
PricewaterhouseCoopers (Düsseldorf): Bernd Papenstein, Rainer Holtmann (beide Öffentlicher Sektor) – aus dem Markt bekannt

Berater Bain Capital
Kirkland & Ellis: Dr. Benjamin Leyendecker (Private Equity), Dr. Leo Plank (Restrukturierung; beide Federführung), Wolfgang Nardi (Finanzierung); Associates: Dr. Sebastian Häfele, Christina Albath (beide Private Equity), Ann-Kathrin Ziegler, Michael Berger (beide Restrukturierung), Philipp Büchler (Finanzierung)

Sabine Vorwerk

Sabine Vorwerk

Berater weiterer Bieter
Sidley Austin (München): Kolja von Bismarck, Dr. Björn Holland, Associate: Dr. Patrick Schulz – aus dem Markt bekannt

Notar
Faust Gerber Haines (Frankfurt): Dr. Alexander Haines – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die neue Rechtsleiterin von Condor, Giancristofano, ist seit Anfang Mai an Bord. Die ehemalige Associated Partnerin von Noerr hatte den Beginn der Transaktion noch auf der Beraterseite erlebt und übernahm dann wieder im Schlussspurt als Inhouse-Juristin. Zwischenzeitlich betreute Head of Commercial Stein einen großen Part der Inhouse-Aufgaben.

Giancristofano ist nun für rund ein Dutzend Juristen in der Rechtsabteilung und für das angegliederte Compliance-Team verantwortlich.  SIe war fast 14 Jahre lang bei Noerr, der langjährigen Beraterin von Condor.  Ihren Beratungsschwerpunkt hat die Juristin im Corporate/M&A, Insolvenzrecht und bei Restrukturierungsfragen. Sie arbeitete in den vergangenen Jahren im Londoner Büro von Noerr. Mit dem nun langsam wieder anlaufenden Fluggeschäft gibt es auch wieder deutlich mehr für die Rechtsabteilung zu tun. Deshalb wird diese kurzfristig mit mehreren Juristen ausgebaut.

Käuferin Attestor hat mit Paul Hastings und dem federführenden Partner Wolff ebenfalls auf einen vertrauten Berater gesetzt. Die Kanzlei ist national und international für die Londoner Investorin im Einsatz.

Linklaters beriet wie schon bei der Bewilligung des 550-Millionen-Euro-Kredites die Förderbank KfW, wo Syndikusanwalt Hellermann das Projekt rechtlich steuert. Der Bund wird nach wie vor von PwC und ihrem als Mandatar eingesetzten Partner Holtmann vertreten. (Christiane Schiffer, Norbert Parzinger; mit Material von dpa)

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