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22.03.2007

Zurück zu den Wurzeln: Patentlitigator Markus Grosch künftig bei Allen & Overy

Ab Mai gehört die renommierte Mannheimer IP-Kanzlei Schilling & Grosch zumindest dem Namen nach der Vergangenheit an. Namenspartner Dr. Marcus Grosch (34) und sein Mitarbeiter Dr. Johannes Bukow schließen sich Allen & Overy an. Kanzleigründer Tilmann Schilling (70), einer der renommiertesten deutschen Patentrechtler, wird seine Mandate unter eigenem Namen weiter betreuen, bleibt Grosch aber räumlich und in Kooperation mit Allen & Overy verbunden.

Grosch steigt als Equity-Partner bei Allen & Overy ein. Dazu gab die Partnerschaft der Magic-Circle-Kanzlei am vergangenen Wochenende ihre Zustimmung. Grosch gilt als einer der aufstrebenden deutschen Patentprozessrechtler mit ausgesprochen internationaler Ausrichtung und guten Verbindungen zu US-Unternehmen. Mit seinem Zugewinn dürfte Allen & Overy einen wichtigen Schritt beim Aufbau einer europäischen Patentrechts-Praxis gemacht haben. Der junge Patentrechtler hatte zuletzt die Geschicke von Schilling & Grosch wesentlich bestimmt und sie zur führenden Kanzlei für Patentsachen vor Deutschlands zweitwichtigstem Spezialgericht in Mannheim aufgebaut.

Sein Mitarbeiter Bukow wird Associate bei Allen & Overy. Er arbeitet seit drei Jahren im Patentrecht. Allen & Overy unterhält in Mannheim seit 2000 eine Präsenz. Das zentrale Büro wird ab Mai allerdings in den momentanen Schilling & Grosch-Räumlichkeiten angesiedelt. Mittelfristig sollen beide Büros jedoch zusammengelegt werden.

Grosch trifft durch seinen Wechsel alte Bekannte. Als 2000 die Mannheimer Vorzeigekanzlei Schilling Zutt zerbrach, schloss sich die eine Hälfte der Anwälte Allen & Overy, die andere Shearman & Sterling an. Einzig Schilling und Grosch gingen nicht in eine Großkanzlei und gründeten ihre eigene Patentrechts-Boutique.

Vor allem Probleme, sich als kleine und spezialisierte Einheit bei dem hoch qualifizierten Nachwuchs bekannt zu machen, haben Grosch letztlich bewogen, in eine größere Einheit zu wechseln. Grosch und Bukow hatten zuletzt ohne zusätzliche personelle Unterstützung mehrere Großverfahren unter anderem für Sisvel um MPEG- und MP3-Technologie mit Audiobezug geführt.

Allen & Overy hat in den letzen Jahren ihre europäische IP-Praxis mit erheblichem Nachdruck ausgebaut. Die starken Teams in Paris, Amsterdam und Brüssel ergänzte sie 2002 mit dem renommierten Marken- und Wettbewerbsrechtler Dr. Henning Harte-Bavendamm, der in Hamburg von Lovells kam. 2006 folgte ihm die Londoner Patentrechtlerin Nicola Dagg, die für ihre Beteiligung an den BlackBerry-Prozessen bekannt ist. In Frankfurt verfügt Allen & Overy mit dem ehemaligen Schilling Zutt-Partner Wolfgang Witz über einen bekannten IP-Experten. Zurzeit arbeiten in Frankfurt und Hamburg neben den beiden Partnern acht Associates im Bereich IP.

Mit Grosch schließt die Kanzlei nun die letzte wichtige Lücke in ihrem europäischen IP-Netz. Ihr fehlte bislang ausgewiesene Patentrechtsexpertise an einem der wichtigen deutschen Gerichte. An Europas wichtigstem Patentgericht in Düsseldorf ist sie weiterhin nicht mit eigenem Büro vertreten.

Für zahlreiche Beobachter kam der Wechsel von Grosch in eine Großkanzlei unerwartet. Zwar war bekannt, dass zahlreiche internationale Kanzleien seit längerem in Deutschland nach erfahrenen Patentrechtlern suchten, darunter auch Allen & Overy. Allerdings bezweifelten die Beobachter immer wieder, dass einer der Kanzleien der Markteintritt wegen mangelnder Wechselbereitschaft bei den Patentrechtlern gelingen würde.

Mit Schilling & Grosch geht nun eine der letzten kleinen Patentrechts-Boutiquen in einer größeren Einheit auf. Zuletzt hatte sich der Münchner Patentrechtler Dr. Joachim Feldges mit seiner Drei-Mann-Kanzlei dem US-amerikanischen IP-Marktführer Howrey angeschlossen. Den verbliebenen großen deutschen IP-Boutiquen werden keine Ambitionen für einen Zusammenschuss mit einer Großkanzlei nachgesagt. (Mathieu Klos)

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