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09.10.2009

Fusionsgespräche: Lovells und Hogan & Hartson verhandeln über neuen Kanzleiriesen

Lovells und Hogan & Hartson verhandeln derzeit über einen Zusammenschluss der beiden Kanzleien. Käme die Fusion zustande, würde eine der weltweit zehn größten Kanzleien entstehen.Beide Sozietäten wollten die Gespräche auf Anfrage offiziell nicht kommentieren. Nach JUVE-Informationen sind die Verhandlungen inzwischen jedoch soweit, dass bereits der mögliche Name und das Thema Vergütungsmodell auf der Tagesordnung stehen. Laut einer internen Quelle könnte am Ende Hogan Lovells als Name herauskommen.

In der Frage des Vergütungsmodells sind beide Praxen allerdings denkbar weit voneinander entfernt. Die britische Sozietät Lovells pflegt bislang ein reines Lockstep-Modell, die US-Kanzlei Hogan & Hartson dagegen ein Merit-based-System. Innerhalb der Lovells-Partnerschaft gibt es derzeit starke Tendenzen, den Lockstep durch eine stärkere Leistungskomponente zu ergänzen. Einen generellen Abschied vom Lockstep schlossen Lovells-Partner gegenüber JUVE allerdings aus.

Das Thema US-Expansion steht innerhalb der Lovells-Partnerschaft bereits seit vier Jahren ganz oben auf der Tagesordnung. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, äußerte sich ein Lovells-Partner, „wir machen weiter wie bisher mit einer relativ kleinen US-Praxis oder wir streben eine strategische Fusion an.“ Die US-Praxis von Lovells ist besonders auf Versicherungsrecht, IP, Litigation und Insolvenzrecht fokussiert. Kaum präsent ist sie dagegen im Corporate-Bereich. Die Mehrheit der an den Gesprächen beteiligten Lovells-Partner bevorzuge daher auch einen strategischen Zusammenschluss.

Hogan & Hartson rangiert in den USA derzeit auf Platz 22 des Umsatz-Rankings. 2008 erwirtschaftete sie einen Jahresumsatz von rund 920 Millionen US-Dollar. Die Kanzlei unterhält 13 Standorte in den USA. International hat die Kanzlei weitere 14 Büros, unter anderem in Europa und Asien.

Bei Lovells sind die Gespräche nach JUVE-Informationen vor allem aus der Londoner Praxis heraus angestoßen worden, weil die Partner hier einen Ausweg aus ihrer aktuellen Schwäche suchen. Seit Jahren entwickeln sich die Umsätze im britischen Markt nicht zufriedenstellend. Rückhalt scheint aber auch aus der deutschen Praxis zu kommen. Ein Partner kommentierte, dass es darum gehe, eine Lösung für das US-Problem zu finden. Andere deutsche Partner sehen die Verhandlungen dagegen kritisch. Vor allem die Frage des Vergütungssystems sei ein großer Diskussionspunkt.

Weltweit verbuchte Lovells im abgelaufenen Geschäftsjahr ein positives Ergebnis: Die Kanzlei steigerte den Umsatz um 11 Prozent von 479 auf 531 Millionen Pfund. Währungsbereinigt läge das Wachstum jedoch nur bei ein bis zwei Prozent. Die stärksten Zuwächse verzeichneten die Büros in Moskau, Madrid und Rom. Damit setzte sich gleichzeitig der Trend fort, dass die kontinentaleuropäische Praxis immer mehr Einfluss gegenüber London gewinnt.

Kontinentaleuropa ist inzwischen mit 43 Prozent am Gesamtergebnis die stärkste Ländergruppe, London folgt mit 42 Prozent. Die deutschen Lovells-Büros mussten dagegen einen leichten Umsatzrückgang um 2,6 Prozent auf 137 Millionen Euro hinnehmen. Lovells hat weltweit 28 Büros, davon zwei in Nordamerika.

Ob Lovells außer mit Hogan Hartson auch mit anderen US-Kanzleien spricht, ist bislang nicht bekannt. Allerdings betonte eine Quelle gegenüber JUVE auch, dass sich die Lovells-Partnerschaft aufgrund der recht stabilen Umsatzzahlen in Europa stark genug für Verhandlungen auf Augenhöhe mit einer sehr viel größeren US-Praxis fühle.

Über die Fusion mit Hogan & Hartson will Lovells offenbar auf einem Treffen des International Executive Ende Oktober noch intensiver diskutieren, in der jährlichen Partnership Conference am 21. November soll demnach eine Entscheidung darüber fallen, ob die Kanzlei die Fusionsgespräche noch weiter konkretisieren will. (Mathieu Klos)

Erstmals veröfffentlicht auf www.juve.de am 08. Oktober 2009

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