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04.05.2010

Compliance: Siemens-CCO Pohlmann wird Vorstand bei Ferrostaal

Dr. Andreas Pohlmann, bislang Chief Compliance Officer (CCO) bei Siemens, übernimmt ab kommender  Woche beim Anlagenbauer Ferrostaal das neue Vorstandsressort für Korruptionsbekämpfung und Compliance. Das von einer Korruptionsaffäre gebeutelten Unternehmen schuf das Ressort im Nachgang zur Aufsichtsratssitzung Anfang des Monats.

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Andreas Pohlmann

Der 52-jährige Pohlmann war seit September 2007 CCO bei Siemens (mehr…) und wirkte bei der Bewältigung der Siemens-Korruptionsaffäre und dem Aufbau der Compliance-Struktur an vorderster Stelle mit. In Compliance-Kreisen ist er aufgrund dessen hoch anerkannt. Er gilt zudem als exzellenter Manager, der zugleich führen und delegieren kann. Vor seiner Zeit bei Siemens war Pohlmann beim Chemiekonzern Celanese in der Rechtsabteilung in Dallas/USA für Compliance und Risiko-Management verantwortlich.

Die Verankerung des Themas Compliance auf Vorstandsebene unterstreiche das Bekenntnis zu Transparenz und zur Einhaltung aller gesetzlichen und internen Regeln, heißt es bei Ferrostaal. Pohlmann werde in seiner Position für eine umfassende Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft verantwortlich sein. Das Unternehmen hat der Staatsanwaltschaft München volle Unterstützung und Kooperation bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe zugesagt.

Bei Siemens übernimmt Rechtsvorstand Peter Solmssen vorübergehend die CCO-Rolle selbst. Dass Pohlmann sich anderen Aufgaben zuwenden wollte, war im Markt bereits seit einigen Wochen kolportiert worden. Als möglicher Nachfolger auf operativer Ebene wurde rasch Dr. Klaus Moosmayer, aktuell Compliance Operating Officer und Chief Counsel Compliance & Investigations bei Siemens, gehandelt. Bekannt ist auch, dass Siemens seine Compliance-Abteilung etwas verkleinern will, nachdem die Bereiche Recht und Compliance tiefgreifend neu strukturiert wurden (mehr…) und das Korruptionsverfahren für das Unternehmen beendet ist.

Der Korruptionsskandal bei der früheren MAN-Tochter Ferrostaal (mehr…) dagegen ist noch keineswegs abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zahlreiche Mitarbeiter sowie gegen den jetzt abberufenen Vorstandschef Dr. Matthias Mitscherlich. Der Aufsichtsrat, dessen Vorsitz im November der Düsseldorfer Shearman & Sterling-Partner Georg Thoma übernommen hatte, setzte die Ablösung durch. Die weitere interne Compliance-Untersuchung, die das Unternehmen zusätzlich zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen selbst anstellt, wird seit einiger Zeit durch Heuking Kühn Lüer Wojtek und Ernst & Young begleitet. Zusätzlich wurde durch den Aufsichtsrat nun auch die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton engagiert. Debevoise hatte bereits bei der Aufarbeitung der Siemens-Affäre einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Thoma hatte den Ferrostaal-Aufsichtsratsvorsitz auf Wunsch der Mehrheitseignerin IPIC übernommen. Seine Kanzlei Shearman hatte den Staatsfonds aus Abu Dhabi vor etwas mehr als einem Jahr beim Kauf seiner Beteiligung an Ferrostaal vom MAN-Konzern beraten (mehr…). Nur wenige Monate nach dem Deal war Ferrostaal das erste Mal von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Bestechungen durchsucht worden.

Neben Heuking und Debevoise, die für das Unternehmen Ferrostaal tätig sind, verstärkt sich im Rahmen der Vorwürfe mittlerweile auch auf Vorstandsseite ein eigenständiger Beratungsbedarf. Marktinformationen zufolge wird etwa Mitscherlich arbeitsrechtlich von Kliemt & Vollstädt-Namenspartner Prof. Dr. Michael Kliemt aus Düsseldorf und strafrechtlich von Dr. Daniel Krause von Krause Lammer Wattenberg in Berlin beraten. (Antje Neumann, Astrid Jatzkowski)

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