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14.09.2011

Hamburg: HSH Nordbank findet intern Nachfolger für gefeuerten Chefjuristen

Die HSH Nordbank hat eine interne Lösung für die Besetzung ihrer vakanten Chefjuristen-Stelle gefunden. Auf den Posten rückt zum Oktober Dr. Stefan Brügmann (43), der langjährige bisherige Leiter Personal.

Stefan Brügmann

Brügmann verantwortete auch den mehr als 50 Mitarbeiter zählenden Rechtsbereich kommissarisch, nachdem die Bank dem vorherigen Chefjuristen Wolfgang Gößmann im Frühjahr dieses Jahres zu Ende September gekündigt hatte. Gößmann war bereits seit Herbst 2010 freigestellt und kehrte nicht mehr zurück.

Sein Nachfolger Brügmann ist seit seinem Karrierebeginn durchweg für Banken tätig. Nach Stationen in den Rechtsabteilungen der Deutschen Bank sowie der Landesbank Kiel wechselte er im Sommer 2003 als stellvertretender Leiter Recht und Compliance zur HSH Nordbank. 2005 wurde er dann weltweiter Personalchef der Bank und führte seither ein Team aus 100 Mitarbeitern. Brügmanns Nachfolger als Personalchef wird Heinz-Joachim Klöpping, der jahrelange Personalverantwortlicher der Deutschen Bank war und zuletzt als selbstständiger Berater arbeitete.

Hintergrund der Neubesetzungen ist nicht zuletzt der Druck, der auf der HSH lastet. Die Bank geriet in den vergangenen Jahren in schweres Fahrwasser und rutschte durch riskante Geschäfte während der Finanzkrise sogar an den Rand der Pleite. Nun muss die Bank auf Verlangen der EU ein hartes Sanierungsprogramm fahren, um die wettbewerbsverzerrenden staatlichen Beihilfen zurückzahlen zu können. Die Gesellschafter hatten die Landesbank 2008 mit milliardenschweren Hilfen gerettet. Klöpping galt für die anstehenden Maßnahmen als Favorit des neuen Vorstands Paul Lerbinger. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass die HSH jede dritte Stelle abbaut, insgesamt 1.200.

Auch in der Rechts- sowie der Personalabteilung gab es zuletzt einige Turbulenzen. Der bisherige Rechtsabteilungsleiter Gößmann stand zunächst im Verdacht, von Spitzelaktionen gegen das frühere Vorstandmitglied Frank Roth gewusst zu haben und an der Fälschung von Beweisen beteiligt gewesen zu sein, die zu dessen Rauswurf führten. Gößmann wehrt sich dagegen mithilfe von Redeker Sellner Dahs und arbeitet an seiner Rehabilitierung. Vor dem Landgericht Hamburg hat er inzwischen erreicht, dass in Medienberichten nicht mehr der Verdacht erweckt werden darf, er sei an der Beweisfälschung und dem Rauswurf des inzwischen rehabilitierten Roths beteiligt gewesen.

Ob die damaligen Vorwürfe die Ursache für das Aus Gößmanns bei der HSH waren, ist bis heute nicht klar. Auch die Möglichkeit, dass der neue Konzernchef Lerbinger die Vertrauten seines Vorgängers Dirk Nonnenmacher ersetzen wollte, wurde seinerzeit für möglich erachtet. Gößmann wurde ordentlich und nicht begründet gekündigt. Er hat Kündigungsschutzklage gegen die HSH erhoben, Verhandlungstermin ist Mitte Oktober.

Auch in der Personalabteilung ging es zuletzt alles andere als ruhig zu. Einige Spitzenkräfte verließen das Ressort, das intern derzeit nicht den besten Ruf haben soll. Auch Brügmann wird dabei keine unwesentliche Rolle zugeschrieben, galt er doch als wichtiger Vertrauter des schwer kritisierten und inzwischen geschassten Ex-Vorstands Nonnenmacher. Die Koordination der Aufarbeitung sämtlicher Vorgänge verschiedener Skandale der vergangenen Jahre bei der HSH liegt seit dem Ausscheiden Gößmanns in Händen des Graf von Westphalen-Partners Dr. Klaus Landry. (René Bender)

 

 

 

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