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29.03.2012

Abgangswelle: Dewey krempelt Management um

Die US-Kanzlei Dewey & LeBoeuf hat seit Jahresbeginn weltweit mehrere Dutzend Partner verloren. Jetzt reagiert sie mit einschneidenden Maßnahmen im Management.

Steven Davis

Steven Davis ist nicht mehr länger Chairman der New Yorker Kanzlei. Als neue Führungsspitze will Dewey ein sogenanntes Office of the Chairman installieren, dem fünf gleichberechtigte Mitglieder angehören. Zu diesem Ergebnis kamen das Executive Committee sowie 30 Senior-Partner der Sozietät bei einem Treffen. In einem internen Memo wurde die weltweite Partnerschaft Anfang der Woche darüber informiert. Sie muss den Maßnahmen in der kommenden Woche noch zustimmen, dies gilt aber als sicher.

Die neue Führungsspitze soll zumindest bis zum Jahresende agieren. Sie setzt sich zusammen aus den Leitern der besonders umsatzstarken Praxisgruppen Corporate (Richard Shutran), Litigation (Jeffrey Kessler) und Restrukturierung (Martin Bienenstock), dem Kopf des Washingtoner Büros (Charles Landgraf) und Davis. Davis wird ebenfalls wieder in das tägliche Beratungsgeschäft zurückkehren und dafür ins Londoner Büro der Kanzlei wechseln. Die fünf Mitglieder der neuen Führung werden gleichberechtigt sein. Das neue Gremium soll „die Organisation der Kanzlei restrukturieren und sie auf ihre Kernbereiche konzentrieren“, so das Memo.

Neuer Executive Partner wird der Londoner Corporate-Partner Stephen Horvarth und in der Position für die laufende Umsetzung von Entscheidungen des Managements verantwortlich sein. Nach Berichten der New York Times wird Horvarth dafür nach New York wechseln. Faktisch übernimmt er die Funktion, die bisher Stephen DiCarmine hatte. DiCarmine wird künftig als Executive Director an Horvarth berichten.

Unruhe wegen hoher Garantiezahlungen

Die Maßnahmen wurden nötig, weil seit Jahresbeginn fast 40 der insgesamt 300 weltweiten Partner die Kanzlei verlassen haben. Insbesondere in den vergangenen Wochen beschleunigte sich der personelle Aderlass dramatisch. Dabei gingen auch zahlreiche Köpfe aus umsatzstarken und angesehenen Praxen. Alleine das Versicherungsteam, eine der sehr angesehenen Praxen der Sozietät, verließen deutlich mehr als ein Dutzend Partner. Die interne Unruhe kam vor allem deshalb auf, weil die Sozietät zuletzt die Vergütung einiger Partner gekürzt hatte, um anderen Partnern hohe Garantiesummen zu zahlen. In den Jahren seit der Fusion von Dewey Ballantine und LeBoeuf Lamb Greene & McRae im Jahr 2007 war die Kanzlei stark gewachsen und hatte zahlreiche Spitzenanwälte an Bord geholt. Im Zuge der Finanzkrise hatte Dewey 2009 und 2010 enttäuschende finanzielle Ergebnisse hingelegt, im vergangenen Jahr nahm der Umsatz nur leicht zu.

Die neue Führungsmannschaft will das Problem der übermäßigen Zahlungen nun lösen. Diese hätten in den vergangenen Jahren den Cashflow aufgezehrt. Wie schon vor Wochen bekannt wurde, sollen fünf Prozent der Berufsträger und sechs Prozent der weiteren Mitarbeiter entlassen werden. Das designierte neue Management äußerte sich nicht konkret, welche weiteren Maßnahmen es ergreifen will. Auch gab es keinen Kommentar dazu ab, ob und welche Partner weiterhin Garantiesummen bekommen. Die gekürzten Vergütungen sollen nach und nach zurückgezahlt werden, aber nicht mehr als gut fünf Prozent der jährlichen Einnahmen ausmachen. Im laufenden Jahr liegen die Umsätze nach Kanzleiangaben fast 30 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums.

Verbindlichkeiten belasten die Kanzlei

Derzeit verhandelt Dewey mit der Citibank und anderen Darlehensgebern die nächste planmäßige Anpassung der Kreditlinien zur Kanzleifinanzierung. Die Gespräche sollen sich britischen Presseberichten zufolge positiv entwickeln. Gleichwohl sollen die zahlreichen Abgänge es der Kanzlei demnach erschweren, ihre Darlehensverpflichtungen einzuhalten. Daneben muss Dewey ab dem kommenden Jahr eine 125 Millionen Euro schwere Anleihe zurückzahlen, mit der sie 2010 ihre Kapitalbasis gestärkt hatte (mehr…)

In Deutschland ist Dewey mit lediglich einem Büro in Frankfurt vertreten, dort arbeiten rund 30 Berufsträger, davon knapp zehn Equity-Partner. Hierzulande blieb die personelle Situation bislang stabil. Stimmen aus der Kanzlei zufolge gebe es keinen Grund zur Verunsicherung über die Zukunft der Kanzlei, auch gehe man bislang nicht davon aus, dass hierzulande Partner der Kanzlei den Rücken kehren.

Die internationale Führung gibt sich ebenfalls optimistisch. Die Abgänge hätten bislang nur einen geringen Effekt auf die Profitabilität der Kanzlei, die Sozietät hätte einige der Partner auch gebeten, zu gehen. Überdies würde keiner der neuen Führungsköpfe die zusätzliche Verantwortung übernehmen, wenn er nicht an die Richtung und Zukunft der Kanzlei glauben würde. „Wir freuen uns darauf in den kommenden Tagen, Wochen und Jahren großartige Dinge zusammen zu tun“, heißt es in dem Memo. (René Bender)

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