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18.10.2012

Rückkehr: Oppenhoff eröffnet mit Sidley Austin-Partner wieder in Frankfurt

Oppenhoff & Partner kehrt nach Frankfurt zurück. Die Kanzlei eröffnet 2013 mit dem Transaktionsexperten Dr. Oliver Kessler (43), aktuell Managing-Partner der US-Kanzlei Sidley Austin in Deutschland. Kessler ist seit Sidleys Start 2005 hierzulande ihre prägende Anwaltspersönlichkeit. Wie die Zukunft des einzigen deutschen Büros der Kanzlei nach seinem Weggang aussieht, ist derzeit unklar.

Oliver Kessler

Kessler steigt zum Januar bei Oppenhoff als Partner ein und arbeitet zunächst von Köln aus. Um ihn herum stellt Oppenhoff derzeit ein Team für das Büro in Frankfurt zusammen. Der genaue Startzeitpunkt dort steht derzeit noch nicht exakt fest.

Für Oppenhoff ist die Rückkehr in die Finanzmetropole Frankfurt nicht nur ein wichtiger Schritt für ihre bundesweite Expansion, sondern auch eine Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Kanzleigeschichte. Ihre Vorgängereinheit Oppenhoff & Rädler war in den späten 1990er-Jahren eine der führenden überregionalen Sozietäten und die Keimzelle für die spätere Linklaters-Praxis in Deutschland. Bis zum Herbst 2007 arbeiteten die Kölner Anwälte eng mit den Bank- und Finanzrechtlern in Frankfurt zusammen.

Als Linklaters dann den Entschluss fasste, mit zwei renommierten Partnern von Freshfields Bruckhaus Deringer in Düsseldorf zu eröffnen und das traditionsreiche Kölner Büro zu schließen (mehr…), schied eine Gruppe von rund 40 Anwälten aus. Zum Jahresbeginn 2008 entstand dadurch Oppenhoff & Partner in Köln neu.

Michael Oppenhoff

„Wir haben einen sehr erfolgreichen Start gehabt und wollen uns stetig weiterentwickeln“, sagte Senior Partner Michael Oppenhoff. „Ein Büro in Frankfurt öffnet unserer Kanzlei einen direkten Zugang zum wichtigsten deutschen Finanzplatz und entspricht den Erwartungen vieler ausländischer Unternehmen und Anwaltskollegen.“

Schon länger Pläne für Frankfurt gehegt

Nach der Trennung arbeiteten die Oppenhoff-Anwälte projektbezogen mit den ehemaligen Linklaters-Kollegen zusammen, doch über die Jahre konnte Oppenhoff keine annähernd vergleichbare Bank- und Finanzpraxis wie zu Linklaters-Zeiten aufbauen. Akzente setzte Oppenhoff bislang vor allem mit ihrer breit aufgestellten Corporate-Praxis. Über ihren jungen M&A-Partner Dr. Peter Etzbach begleitete sie dabei auch einige grenzüberschreitende Transaktionen in der Bankbranche. Mit Dr. Dr. Georg Maier-Reimer hat Oppenhoff zudem einen renommierten Partner für Kapitalmarktfragen und -prozesse in ihren Reihen.

Dennoch gab es in der Partnerschaft schon länger Überlegungen, neben Köln an einem weiteren Standort zu eröffnen. Gerade weil Oppenhoff viele internationale Unternehmen und ausländische Investoren zu ihren Mandanten zählt, war ein Büro in Frankfurt von Beginn an erste Wahl für eine mögliche Expansion.

Dabei zeigt sich eine interessante Parallele zu SZA Schilling Zutt & Anschütz, die 2008 nahezu zeitgleich zu Oppenhoff als Ausgründung von Shearman & Sterling entstanden war. Die renommierte Mannheimer Kanzlei hatte 2010 mit einem Quereinsteiger von Skadden Arps Slate Meagher & Flom am Main eröffnet (mehr…), gleichzeitig hatten mehrere anerkannte jüngere SZA-Partner ihren Schwerpunkt dorthin verlagert.

Ähnlich will nun auch Oppenhoff vorgehen. Im Laufe des kommenden Jahres sollen weitere Anwälte, darunter M&A-Partner Ronald Meißner, von Köln nach Frankfurt wechseln. Zudem spricht die Kanzlei mit weiteren möglichen Wechslern aus anderen Kanzleien, um den Aufbau des Teams um Kessler zu unterstützen.

Durch den Einstieg Kesslers erweitert sich der fachliche Fokus der Oppenhoff-Praxis ein gutes Stück. Der Sidley-Partner bringt viele Bankenkontakte mit, die den starken Industriefokus von Oppenhoff abrunden, aber auch eigene Industriekontakte.

Kessler leitete einst die Kapitalmarktabteilung von Lovells (heute Hogan Lovells) und war vor sieben Jahren gemeinsam mit Dr. Jens Rinze von Lovells zu Sidley gewechselt, um für die US-Kanzlei hierzulande zu eröffnen (mehr…). Schnell machte sich das im Schwerpunkt auf Finanzierungen und Kapitalmarktrecht ausgerichtete junge Sidley-Büro einen Namen, vor allem durch seine Arbeit bei Verbriefungstransaktionen.

Sidley Austin in Deutschland am Scheideweg

Der Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers und die folgende Wirtschaftskrise stoppten weitere Expansionspläne und wichtige Teile des bis dahin etablierten Finanzierungsgeschäfts aber jäh. Das Büro schrumpfte in der Folge nicht nur personell deutlich von etwa 20 Anwälten auf rund die Hälfte. Es musste auch seine Ausrichtung anpassen und in angrenzenden Segmenten neues Geschäft generieren.

Insbesondere Kessler, von Haus aus sowohl auf Gesellschaftsrecht/M&A als auch auf Kapitalmarktrecht spezialisiert, vergrößerte den Anteil seiner Arbeit abseits reiner Finanzmarktdeals. Er arbeitete nun wieder sehr viel stärker an der Schnittstelle zwischen Gesellschafts- und Finanzrecht. So war Kessler etwa Teil eines Teams, das den chinesischen Solarkonzern LDK bei der Übernahme des deutschen Wettbewerbers Sunways beriet (mehr…). Daneben betreute er ein bekanntes Unternehmen aus dem Luftfahrtsektor.

Insgesamt ist Sidley hierzulande aber weiterhin recht stark auf Finanzmarktdeals ausgerichtet und weniger auf Corporate-/M&A-Arbeit. So ist vor allem Partner Rinze intensiv in die Restrukturierung alter Verbriefungen eingebunden. Nachdem das Büro zwischenzeitlich wieder leicht gewachsen war, schrumpfte es zuletzt wieder. So verließ im Sommer ein junger Corporate-Experte die Kanzlei (mehr…), für die künftig nur noch sieben Anwälte in Frankfurt arbeiten.

Marktbeobachter schätzen die Zukunft des deutschen Sidley-Büros nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Personalentwicklung als unklar ein. Wer, beziehungsweise ob jemand Kessler als Spitze des deutschen Büros nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Sidley wolle allerdings weiterhin in Frankfurt engagiert bleiben, so George Petrow, Mitglied des weltweiten Managements und des Executive Committees der Kanzlei gegenüber JUVE. Zu konkreten Wachstumsabsichten äußerte er sich aber nicht. (Marcus Jung, René Bender)

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