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09.11.2012

Riesenfusion: Salans, SNR Denton und Fraser Milner Casgrain nehmen Zusammenschluss in den Blick

In die Liste der nach Berufsträgern weltweit zehn größten Kanzleien rückt möglicherweise bald ein neuer Name vor: Dentons – Salans FMC SNR Denton. Unter dieser Marke wollen sich sich die drei Wettbewerber Salans, Fraser Milner Casgrain und SNR Denton zusammenschließen, wenn ihre Partner dem Vorhaben zustimmen. 

Für die fusionierte Einheit streben die drei Sozietäten die Struktur eines Schweizer Vereins an. Mit dem Zusammenschluss entstünde eine internationale Großkanzlei, die eigenen Angaben zufolge rund 2.500 Anwälten beschäftigten würde und an 79 Standorten in 52 Ländern vertreten wäre. Über die mögliche Fusion zwischen SNR Denton (rund 1.150 Anwälte, ca. 565 Millionen Euro Umsatz) und Salans (750 Anwälte, ca. 216 Millionen Euro Umsatz) war in den vergangen Monaten immer wieder spekuliert worden. Dass nun auch die kanadische Kanzlei Fraser Milner Casgrain Teil des Plans ist, überrascht allerdings. Die Einzelheiten der Fusion werden den Partnern in der kommenden Woche vorgestellt. Die Abstimmungen sollen noch im November erfolgen. Entscheiden sich die Kanzleien für die Fusion, wird Dentons noch im ersten Quartal 2013 an den Start gehen.

Die drei neuen Partnerkanzleien betonen vor allem den „polyzentrischen“ Ansatz der neuen Sozietät. Anders als bei einer klassischen Fusion von US- und UK-dominierten Kanzleien kämen unter dem Namen Dentons verschiedene Kanzleikulturen gleichberechtigt zusammen. Neben der kanadischen Seite kommen tatsächlich Partner zusammen, die in der Harmonisierung unterschiedlicher Kanzleikulturen bereits Erfahrung haben. SNR Denton entstand 2010 durch das Zusammengehen der US-Kanzlei Sonnenschein Nath & Rosenthal und der britischen Sozietät Denton Wilde Sapte. Auch Salans gilt als Kanzlei mit mindestens zwei Kulturen: Trotz eines starken Anteils von US-Partnern versteht sie sich als europäische Kanzlei, die vor allem für ihre Osteuropa-Präsenz bekannt ist.

Salans ist der einzige der drei Fusionspartner, der auch über deutsche Standorte in Berlin und Frankfurt verfügt, wo derzeit mehr als 90 Berufsträger, davon 15 Equity-Partner tätig sind.

Damit dürfte die deutsche Praxis – gemessen an der neuen Dimension der Kanzlei – noch Wachstumspotenzial haben. So sehen es auch interne Stimmen in der Kanzlei. Die deutschen Salans-Praxis startete im Kern mit dem ehemaligen Haarmann Hemmelrath-Büro in Berlin, das sich 2006 angeschlossen hatte (mehr…). Seitdem ist die Kanzlei allerdings schnell mit jungen Partnern gewachsen und hat unter anderem auch ein Frankfurter Büro aufgebaut (mehr…).

Dieses könnte von der bevorstehenden Fusion besonders profitieren. Das gilt vor allem für die Praxis im Bank- und Finanzrecht, die durch die Fusion einen besseren Zugang zu wichtigen Finanzplätzen erhält. Fachlich ist Salans im Restrukturierungsbereich gut aufgestellt – ein Bereich, in dem auch der Fusionspartner in spe, Fraser Milner Casgrain, einiges zu bieten hat. Ähnliches gilt für die Immobilienpraxis, die bei Salans in Deutschland traditionell ein starkes Gewicht hat und bei SNR Denton ebenfalls stark ausgeprägt ist.

Die Beratung des Energiesektor steht hierzulande bei Salans in Deutschland hingegen noch am Anfang, könnte aber durch die Fusionspartner entsprechend beflügelt werden. (Ulrike Barth)

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