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17.05.2013

Nach 23 Jahren: Chefjurist Nicolai von Ruckteschell verlässt Lufthansa

Nicolai von Ruckteschell, seit 1997 Chefjurist der Deutschen Lufthansa, verlässt den Konzern Ende Juni. Der 52-Jährige war seit 1990 bei der Fluglinie tätig.

Nicolai von Ruckteschell

Nicolai von Ruckteschell

Zeitgleich mit seinem Ausscheiden bei Lufthansa überträgt er seine Aufgaben als Präsident des Bundesverbands der Unternehmensjuristen (BUJ) an den amtierenden Vorstand des Verbandes. Dieser Schritt ist folgerichtig, da von Ruckteschell dann kein Inhouse-Jurist mehr ist. Er will den Verband aber als Beisitzer des Präsidiums weiter unterstützen. Ein neuer Präsident soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oktober gewählt werden.

Von Ruckteschell, der den BUJ 2011 mitbegründete, plant zunächst eine private Auszeit. Seine Nachfolge bei Lufthansa ist noch nicht geregelt.

Von Ruckteschell war im September 1990 als Rechtsdezernent zu der Fluglinie gekommen. Im April 1997 wurde er Chefjurist, 2003 übernahm er dann zusätzlich die Aufgaben als Chief Compliance Officer. Seit 2012 zählt auch das Corporate Office zu seinem Verantwortungsbereich. Zudem hat Ruckteschell einige weitere Ämter innerhalb des Lufthansa-Konzerns inne, unter anderem ist er Mitglied der Aufsichtsräte von Austrian Airlines und Lufthansa Systems. Bis 2011 war er auch Aufsichtsratschef von Germanwings.

Neben dem Weggang von Ruckteschells gibt es zum Juli weitere personelle Veränderungen bei der Lufthansa. Bereits bekannt war, dass Stefan Lauer seinen Posten als Personalvorstand nach 13 Jahren aufgibt. Nun steht die Nachfolge fest. Seine Aufgaben übernimmt künftig ein Duo: die Juristin Dr. Bettina Volckens (49) und Harry Hohmeister. Volckens, die 2012 vom Deutsche Bahn-Konzern zur Lufthansa kam, wird Arbeitsdirektorin und Vorstand für Personal und Recht, Hohmeister verantwortet die Sparten Logistik und Verbund-Airlines. Neben ihrer neuen Funktion wird Volckens auch weiterhin in Personalunion an der Spitze der Abteilung Personal Konzern stehen.

Die Lufthansa befindet sich aktuell in einem beispiellosen Umstrukturierungs- und Sparprozess. Ab Juli soll etwa die Billig-Tochter Germanwings alle Deutschland- und Europastrecken bedienen, die nicht von München oder Frankfurt aus starten. Vorstandschef Christoph Franz, seit Anfang 2011 im Amt, hat ehrgeizige Pläne und massive Stelleneinsparungen verkündet.

Marktinformationen zufolge wird auch das Rechtsteam umstrukturiert. In der Rechtsabteilung sind in Deutschland an den Standorten Frankfurt, München, Köln und Hamburg rund 30 Juristen tätig. Teams in New York, Zürich, Brüssel, Wien und London komplettieren sie.

Den BUJ stellt von Ruckteschells Entscheidung vor eine Herausforderung. Es dürfte schwer sein, einen vergleichbar engagierten Kopf für den Verband mit seinen rund 1.000 Mitgliedern zu finden, zumal dieser gerade erst beginnt, sich als Gesprächspartner für die Politik zu etablieren. (Astrid Jatzkowski, René Bender)

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