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05.11.2013

Kirch-Prozess: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsche Bank-Chef Fitschen

Die Deutsche Bank gerät im Streit mit den Kirch-Erben wieder ins Visier der Staatsanwälte. Seit gestern ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München I gegen den Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs ermittelt. Die Deutsche Bank und Fitschens Strafverteidiger wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück.

Hanns Feigen

Hanns Feigen

Anlass der Ermittlungen gegen den Top-Manager ist sein Auftreten in dem Zivilverfahren zwischen dem mittlerweile verstorbenen Medienunternehmer Dr. Leo Kirch und der Deutschen Bank vor einem Münchner Gericht. Dort forderten die Erben einen milliardenschweren Schadensersatz, weil sie das Bankhaus und dessen früheren Vorstandssprecher Dr. Rolf Breuer für den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe verantwortlich machten (mehr…). Das Oberlandesgericht München gab der Klage im Dezember 2012 statt und warf der Führungsriege der Deutschen Bank, darunter auch Fitschen, systematische Absprache im Prozess zulasten von Kirch vor (mehr…).

In der dortigen Beweisaufnahme sollen die Aussagen von Fitschen bewusst inkonsistent und erkennbar unrichtig gewesen sein. Der Co-Bankchef war 2011 nicht als Zeuge, sondern als Vertreter der Deutschen Bank und damit als Partei von dem Zivilsenat gehört worden. Daher ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs. Bereits seit Längerem laufen Ermittlungsverfahren gegen die ehemaligen Vorstände Josef Ackermann, Rolf Breuer, Tessen von Heydebreck sowie den früheren Aufsichtsratschef Clemens Börsig wegen möglicher Falschaussage (mehr…).

Top-Riege an Strafverteidigern

In den Ermittlungen setzen die Deutsche Bank und die Beschuldigten auf die Top-Riege der deutschen Strafverteidiger. So begleitet Dr. Felix Dörr von der Frankfurter Kanzlei Dr. Dörr & Partner den Bankkonzern strafrechtlich. Aus dem Markt bekannt ist zudem, dass zusätzlich der bekannte Münchner Strafverteidiger Dr. Werner Leitner, Namenspartner bei Leitner & Partner, mandatiert ist.

Auch Fitschen setzt mit Feigen Graf auf eine renommierte Frankfurter Strafrechtskanzlei, die ihn bereits in den Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Steuerhinterziehung beim sogenannten Umsatzsteuerkarussell vertritt (mehr…). Partner Hanns Feigen wird in dem aktuellen Mandat von Associate Dr. Tilman Reichling unterstützt.

Der frühere Vorstandschef Ackermann vertraut auf Eberhard Kempf von Kempf & Dannenfeldt, Breuer lässt seine Interessen von Dr. Sven Thomas von der Düsseldorfer Strafrechts-Boutique Thomas Deckers Wehnert Elsner vertreten. Von Heydebreck und Börsig haben mit Prof. Dr. Klaus Volk beziehungsweise Klaus Gussmann von Prof. Dr. Müller & Kollegen zwei anerkannte Münchener Strafverteidiger mandatiert.

Für das Münchner Ermittlungsverfahren zeichnet die Oberstaatsanwältin Christiane Serini verantwortlich. Als Staatsanwältin hatte sie bereits ein früheres Strafverfahren gegen Breuer wegen Falschaussage begleitet. Dieses war 2011 gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 350.000 Euro eingestellt worden. (Marcus Jung)

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