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28.12.2016

Associategehälter: Das Wettbieten geht weiter

Seit Sommer 2016 haben mehr als 30 Wirtschaftskanzleien die Vergütung beim Berufseinstieg um bis zu 25.000 Euro erhöht. Die Benchmark steigt damit auf einen neuen Standard von 120.000 Euro. Mit Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Dentons, Herbert Smith Freehills, Jones Day, Latham & Watkins und Loschelder geben weitere Kanzleien Gehaltserhöhungen für Associates bekannt.

Cleary Gottlieb reiht sich mit 125.000 Euro Einstiegsgehalt (bislang 115.000 Euro) wieder in die Spitzengruppe der US-Kanzleien in Deutschland ein. In den ersten sechs Berufsjahren steigt das Festgehalt der Associates in festen, jährlichen Schritten bis auf 180.000 Euro. Hinzu kommen je nach Erfolg der Gesamtkanzlei Boni, die in den vergangenen Jahren bis zu zehn Prozent des Festgehalts ausmachten.

Bonuszahlungen gehen zurück

Andere erhöhen zwar das Einstiegsgehalt, streichen dafür aber Bonusleistungen. Latham, die erst im Herbst 2015 das Anfängergehalt auf 110.000 Euro erhöht hatte, bezahlt nun 120.000 Euro. Auch hier geht es pro Berufsjahr nach festem Schema aufwärts, die traditionell hohen Boni sind jetzt aber erst ab dem dritten Jahr möglich statt von Karrierebeginn an. Herbert Smith folgt dem Vorbild von Allen & Overy und Clifford Chance und kündigt für den Beginn des nächsten Geschäftsjahres Anfang Mai ein Einstiegsgehalt von 120.000 Euro an. Die bisher üblichen Boni ab dem dritten Jahr fallen jedoch weg.

Bei Jones Day steigt das mögliche Maximum für Berufsanfänger nur leicht von 115.000 auf 120.000 Euro, dafür hebt die Kanzlei das Minimum kräftig von 80.000 auf 95.000 Euro an. Den umgekehrten Weg geht Dentons: Dort bleibt die Untergrenze beim Einstiegsgehalt unverändert bei 85.000 Euro, die Obergrenze steigt von 90.000 auf 100.000 Euro. Die Kölner Kanzlei Loschelder greift besonders tief in die Tasche und bezahlt statt 74.000 bis 80.000 Euro nun 95.000 Euro ohne und 100.000 mit Doktortitel oder LL.M.

Neue Benchmark bei 120.000 Euro

Sechsstellige Gehälter schon für Berufsanfänger sind damit endgültig auch bei Kanzleien angekommen, die sich als globale Rundumberater oder regionale Player positioniert haben. Noch vor Jahresfrist war eine solche Vergütung vor allem Großkanzleien mit Marktführungsanspruch und besonders profitablen Transaktions- oder Prozessboutiquen vorbehalten. In letzteren Marksegmenten hat sich der Maßstab seitdem massiv verschoben: Statt 100.000 Euro müssen nun 120.000 Euro als Standard-Anfangsgehalt in Top-Kanzleien gelten.

Ob die teils enormen Steigerungen auch den ersehnten Effekt haben, ist unter Marktteilnehmern umstritten. Als Differenzierungsmerkmal im Kampf um die besten Absolventen taugen die neuen Gehälter nicht, da das Niveau insgesamt gestiegen ist. Die Gehälterrangliste hat sich daher kaum verändert: An der Spitze liegen einige stark fokussierte Einheiten mit US-Mutterhaus, gefolgt von den Magic-Circle-Kanzleien und ihren engsten deutschen und amerikanischen Wettbewerbern. Die aufgerufenen Beträge sind währenddessen um bis zu 29 Prozent gestiegen. (Norbert Parzinger)

Mehr über die Gehälterspirale der vergangenen Monate lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt. Wie viel Associates in den rund 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen, findenSie in den aktuellen azur-Gehältertabellen unter www.azur-online.de/geld.

 

 

 

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