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02.03.2018

Kanzleien zu Legal Tech: Mission ist klar, Umsetzung noch nicht

Vor wenigen Jahren war Legal Tech nur ein Schlagwort. Eine Worthülse, die man nutzte, um sich innovativ und modern zu geben. Oder über die man hinweg lächelte. Die Diskussion schwankte zwischen Panikmache – „Wir werden alle unsere Jobs verlieren!“ und Ignoranz – „Das kommt aus Amerika und geht uns nichts an“. Inzwischen ist die Digitalisierung der Arbeit in den deutschen Wirtschaftskanzleien angekommen. Und die Stimmungslage ist verhalten optimistisch. Das hat eine JUVE-Umfrage ergeben, an der im Januar 2018 über 200 Wirtschaftskanzleien teilnahmen.  

Unter den Teilnehmern der JUVE-Umfrage ist der Anteil der Ahnungslosen mittlerweile verschwindend gering. Nur drei Prozent der Kanzleien haben sich in den vergangenen zwölf Monaten noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Die überwältigende Mehrheit sondiert mindestens den Markt, die meisten investieren auch schon ganz konkret: in Software, Hardware oder Personal.

Dabei verfügt allerdings nur jede fünfte Kanzlei über ein festes Budget speziell für Legal Tech-Investitionen. Rund 118.000 Euro geben die Kanzleien der JUVE-Umfrage zufolge im Schnitt für Legal Tech aus. Doch ist die Spanne ziemlich weit – von wenigen tausend bis hin zu den drei Millionen Euro, die eine deutsche Boutique bereits aufwendet.

In den meisten Kanzleien gilt: Gucken, testen, abwarten. 90 Prozent der Kanzleien, die bereits in Legal Tech investieren, stecken ihr Geld in Software. Dabei setzen die meisten auf Bewährtes: Software „von der Stange“ steht deutlich höher im Kurs als solche, die von externen Dienstleitern erst für die Kanzlei maßgeschneidert wird.

 

Den Beratungsprozess verbessern und wettbewerbsfähig bleiben– das sind die Haupttriebfedern für alle Kanzleien, sich mit Legal Tech zu beschäftigen. Der Blick fällt also zuerst nach innen, darauf, einen schlankeren Beratungsprozess zu entwickeln, der gleichzeitig eine annähernd gleiche oder vielleicht sogar bessere Qualität bietet – so wie es AI-Programme wie Kira oder Ravn in der Dokumentenanalyse versprechen.

Wohin fließt das Geld bislang?

Vor allem Großkanzleien sind diesem Selbstoptimierungszwang verfallen: Sämtliche Kanzleien mit mehr als hundert Berufsträgern geben an, mit Legal Tech den Beratungsprozess beschleunigen und verbessern zu wollen. Die ganz Großen (mehr als 200 Berufsträger) wollen gleichzeitig besonders innovativ sein: Fast alle entwickeln neue Beratungsangebote.

Unter den kleinen Kanzleien sind die Beweggründe, sich mit Legal Tech zu befassen, etwas anders gelagert: Zwar will auch eine Mehrheit der Kanzleien mit weniger als 20 Berufsträgern den Beratungsprozess verbessern. Aber nur rund ein Drittel hat Ambitionen, auch neue Beratungsangebote zu entwickeln.Warum Legal Tech?

Der Druck zu Verbesserung und Verschlankung der Beratungsleistung kommt dabei meist nicht direkt vom Mandanten. Nur 18 Prozent aller befragten Kanzleien nutzen Legal Tech, weil der Mandant es verlangt. Vielmehr ist es der Wettbewerbsdruck, der den Takt vorgibt: Wenn alle Kira nutzen, ist es ein strategischer Nachteil, das nicht zu tun. Zumindest irgendwann. (Ulrike Barth)

Viel mehr Daten und Fakten aus der JUVE-Umfrage Legal Tech lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt.

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