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20.07.2018

Mandatierung: Ohne anschließende Ratings geht bald nichts mehr

Immer mehr Rechtsabteilungen professionalisieren ihren Einkauf von Rechtsdienstleistungen. Grund dafür ist der Kostendruck, der unverändert stark auf den General Counsel deutscher Unternehmen lastet. Bei der Mandatierung geht es aber nicht nur darum, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen, sondern um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Zum Zuge kommen soll die Kanzlei, die nicht nur vergleichsweise günstig, sondern auch qualitativ für das entsprechende Mandat am besten geeignet ist.

Benno Quade

Benno Quade

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Unternehmensjuristen ihre Berater genau beurteilen, wenn das Mandat abgeschlossen ist. Mandatierung ohne Leistungsmessung ist nicht mehr möglich – lautete deshalb ein Fazit der ersten Legal-Procurement-Konferenz in Frankfurt. Eingeladen hatte die amerikanische Organisation Buying Legal Council unter der Leitung von Silvia Hodges-Silverstein.

Beispiel Software AG: General Counsel Dr. Benno Quade bewertet die Leistung von Kanzleien sehr genau und lässt nach jedem Mandat sein Team urteilen: Wie gut hat sich die Kanzlei an das vereinbarte Budget gehalten? Wie war die Qualität der Beratung? Waren die Anwälte erreichbar? Die Bewertungen werden in ein von der Rechtsabteilung selbst entwickeltes Tool eingegeben, das mithilfe eines Algorithmus ein Rating erstellt. Je höher das Rating, desto besser ist das Preis-Leistungs-Verhältnis und desto höher die Chance, erneut von der Software AG mandatiert zu werden. Allerdings kann sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen: Nach jedem Mandat wird erneut bewertet – und das Rating verbessert oder verschlechtert sich möglicherweise.

Die Auswahl der externen Berater basiert bei dieser Vorgehensweise allein auf Fakten. „Geht da nicht das Persönliche verloren?“, fragte ein Konferenzteilnehmer in Frankfurt. „Wichtig ist doch, dass mein Berater und ich uns gut kennen, und dass wir uns vertrauen.“ Das sehen nicht alle so. Schließlich gehe es bei einer Mandatierung oft um viel Geld. Als General Counsel müsse man sich deshalb unangreifbar machen, hielten andere Juristen dagegen. „Wo ist die Schwelle zur Untreue, wenn ich bei einer Mandatsverhandlung 50.000 Euro drauf schlage, einfach weil ich den Anwalt gut kenne und schätze?“, fragte ein Teilnehmer.

Nur wenn aufgrund von Fakten und nicht von persönlichen Beziehungen mandatiert werde, sei die Unabhängigkeit gewährleistet, so die Meinung einiger. Mehr noch: Besteht eine Liste von präferierten Beratern, sollten diese nach einem gewissen Zeitraum ausgetauscht werden. Das traditionelle Grundverständnis, dass langjährige Mandatsbeziehungen unentwegt für Geschäft sorgen, gerät bei diesem Ansatz ins Wanken. (Christin Stender)

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