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06.08.2018

Ansprüche steigen: Bewerber erwarten von Kanzleien höhere Gehälter

Das immer höhere Gehaltsniveau ist nach Meinung vieler Nachwuchsjuristen eine Selbstverständlichkeit. Fast doppelt so viele Nachwuchsjuristen als noch vor wenigen Jahren erwarten mindestens 75.000 Euro als Einstiegsgehalt. Das geht aus der azur-Bewerberumfrage 2017 hervor, an der 1.471 Studenten, Referendare, Assessoren und Doktoranden teilnahmen.

2017 setzte über ein Drittel der Umfrageteilnehmer ein Startgehalt von mindestens 75.000 Euro voraus. Mehr als zehn Prozent der Teilnehmer stimmen der Aussage „Bringt der Job weniger als 75.000 Euro im Jahr, fange ich gar nicht erst an“ sogar voll und ganz zu. Jedoch erklären immerhin 18 Prozent, definitiv kein Gehalt in dieser Größenordnung vorauszusetzen. Als entscheidende Punkte bei der Arbeitgeberwahl benennen die meisten Bewerber ein gutes Betriebsklima sowie die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit.

„… dann fange ich gar nicht erst an”

Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass immer mehr Teilnehmer in der azur-Umfrage bei 75.000 Euro eine entscheidende Schwelle sehen. 2011 bejahten knapp 22 Prozent der Teilnehmer die zitierte Aussage, davon 5,3 Prozent sogar „voll und ganz“. Knapp 80 Prozent der Teilnehmer lehnten diesen Satz damals ab, 2017 waren es nur noch 64 Prozent.

Auch die Ansprüche steigen

Die Gehaltsvorstellungen der Bewerber passen sich demnach an die Inflation der Einstiegsgehälter an, die vor allem internationale Wirtschaftskanzleien in den vergangenen zwei Jahren angeheizt haben. 2011 zahlte die Transaktionskanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy erstmals ein Einstiegsgehalt von 125.000 Euro. Zahlreiche, meist ähnlich fokussierte Wettbewerber zogen im Lauf der Jahre nach und boten ebenfalls Summen weit jenseits von 100.000 Euro.

120.000 Euro sind Standard an der Marktspitze

Im Sommer 2016 setzte Hengeler Mueller mit bis zu 120.000 Euro einen neuen Standard für die Gruppe der führenden Großkanzleien. Innerhalb weniger Monate schlossen sich die meisten engeren Wettbewerber an, darunter alle Magic-Circle-Kanzleien, die deutschen Wettbewerber Gleiss Lutz und Noerr sowie die US-Kanzleien Latham & Watkins und White & Case, die nun alle maximal 120.000 Euro bieten. Milbank und einige kleinere Einheiten zogen unterdessen mit Spitzengeboten bis zu 140.000 Euro nach, Morgan Lewis & Bockius erhöhte als bislang letzte Kanzlei ihr Einstiegsgehalt von 110.000 auf 120.000 Euro. Ob sich die Gehälterspirale noch einmal dreht, ist ungewiss. Seit rund einem Jahr gab es im Top-Segment kaum Veränderung bei den Gehältern. (Melanie Müller)

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