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16.04.2019

Umfrage: Rechtsabteilungen setzen auf Fähigkeiten, die nichts mit Jura zu tun haben

Weltweit setzen Rechtsabteilungen immer häufiger auf Legal-Operations-Experten, die juristische Mitarbeiter von administrativen Aufgaben wie Ausschreibungen, Leistungsanalyse und Kostenkontrolle befreien. 15 Prozent der Rechtsabteilungen weltweit werden künftig Legal-Operations-Experten einstellen oder ihr Team in diesem Bereich ausbauen, stellt der Verband Association of Corporate Counsel in einer Umfrage fest. Besonders ambitioniert sind im Ländervergleich die asiatischen Inhouse-Juristen.

39 Prozent der Befragten in Asien wollen im Jahr 2019 Experten für Organisation und Management der Rechtsabteilung einstellen, in Europa sind es 16 Prozent, in den USA 12 Prozent und in Kanada sowie in Australien 7 Prozent. Der geringe Prozentsatz der Amerikaner ist auf den ersten Blick überraschend, gelten die USA doch als Vorreiter der globalen Legal-Operations-Bewegung. Das Ergebnis dürfte sich aber damit erklären lassen, dass in den Vereinigten Staaten bereits zahlreiche Rechtsabteilungen über ein Legal-Operations-Team verfügen und hier deshalb inzwischen weniger Aufbaubedarf besteht als in anderen Ländern.

Die Zahlen stammen aus einer Umfrage des Verbands Association of Corporate Counsel (ACC) unter mehr als 1.600 Chefjuristen. 15 Prozent der Rechtsabteilungen weltweit werden künftig Legal-Operations-Experten einstellen oder ihr Team in diesem Bereich ausbauen. Das sind 9 Prozent mehr als noch 2015, als nur 6 Prozent der Teilnehmer der jährlichen ACC-Befragung ,Chief Legal Officers Survey‘ angaben, ihre Abteilung um Legal-Operations-Experten erweitern zu wollen.

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In Deutschland werden aktuell bereits 13 Prozent der Rechtsteams von Legal-Operations-Experten unterstützt, wie die jüngste JUVE-Inhouse-Umfrage ergab. Dabei ist ein Legal-Ops-Team umso häufiger vorhanden, je größer die Rechtsabteilung ist: In Abteilungen, in denen bis zu 10 Volljuristen arbeiten, hat nur rund jede zehnte ein solches Team. Dagegen ist dies in Abteilungen mit mehr als 50 Volljuristen bei jeder zweiten der Fall.

Der Bedarf an Legal-Operations-Experten unterscheidet sich laut ACC in den verschiedenen Branchen nur geringfügig: Im produzierenden Gewerbe liegt er bei 20 Prozent, in der Transport- und Logistikbranche bei 19 Prozent, bei Bauunternehmen und in der Informationsbranche bei 18 Prozent, im Gesundheitsbereich und in der Lebensmittelindustrie bei 16 Prozent und im Finanz- und Bankenbranche bei 15 Prozent.

Deutsche auf Juristensuche

Die Rechtsabteilungen wollen aber nicht nur im Bereich Legal Operations aufstocken, auch bei den Berufsträgern sowie bei Paralegals besteht laut ACC-Studie Wachstumsbedarf: 32 Prozent der Befragten wollen ihr Team 2019 mit Unternehmensjuristen erweitern, gut 18 Prozent wollen Paralegals einstellen.

Für Deutschland ergibt sich ein ganz ähnliches Bild: Die JUVE-Inhouse-Umfrage ergab, dass sogar 39 Prozent der Rechtsabteilungen hierzulande planen, im laufenden Jahr Berufsträger einzustellen. Mit Paralegals, zu denen auch Patent- und Markensachbearbeiter gezählt werden, wollen sich 22 Prozent der von JUVE Befragten verstärken. Damit ist der Personalbedarf in den deutschen Rechtsabteilungen etwas höher als im globalen Durchschnitt.

Bereits seit mehreren Jahren tendieren die Rechtsabteilungen vor allem wegen des anhaltenden Kostendrucks zum Insourcing, so dass die Inhouse-Teams kontinuierlich wachsen. In den vergangenen zwölf Monaten haben die meisten Befragten der ACC-Studie neue Stellen im Vertrags- sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht geschaffen (32 und 31 Prozent). Jeder fünfte Chefjurist hat unterdessen neue Kollegen im Bereich Compliance eingestellt.

Doch neben der fachlichen Exzellenz ist auch nichtjuristisches Wissen sehr gefragt. Laut ACC-Studie wollen die Chefjuristen vor allem die Führungs-, Management- und Kommunikationsfähigkeiten ihrer Teammitglieder verbessern. Neben diesen klassischen Skills sind immer häufiger auch Fähigkeiten wie Datenanalyse gefragt. Der Grund dafür ist, dass die Auswertung von großen Datenmengen inzwischen immer wichtiger für die Entscheidungsfindung auch im juristischen Bereich ist. (Christin Stender)

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